In der Leipziger Thomaskirche wird am Karfreitag trotz Corona-Krise die Johannes-Passion von Johann Sebastian Bach aufgeführt - und als Online-Event zum Mitsingen in die Welt übertragen. Initiiert hat das Projekt der Leiter des abgesagten Leipziger Bachfestes, Michael Maul.

Die Johannes-Passion hätte ein Programmpunkt des Festes im Juni sein sollen, aufgeführt auf dem Leipziger Marktplatz mit 5000 Mitsingenden. Nun wird es eine Kammermusik-Fassung an Bachs Grab in der Thomaskirche werden - unter strengen Auflagen des Leipziger Ordnungsamtes.

"Ich würde vermuten, dass in Deutschland in der Passionszeit Hunderte Bach-Passionen abgesagt wurden, global wahrscheinlich sogar Tausende" sagte Maul. "Wir werden die einzige Aufführung einer Bach-Passion weit und breit haben." Zehn Musiker werden um 15.00 Uhr in der Kirche musizieren. Auf der Grundlage eines vorgefertigten Playbacks haben dazu Künstler aus verschiedenen Teilen der Welt Choräle eingespielt und aufgenommen. Diese werden per Splitscreen in den Livestream aus der Kirche geblendet, so dass der Eindruck entstehe, dass die Bach-Community weltweit gemeinsam musiziere, sagte Maul.

Behördliche Einschränkungen

Produziert wird diese Johannes-Passion vom MDR. Auf dessen Seiten wird auch der Stream laufen, dazu auch auf der Facebook-Seite des Bach-Archivs Leipzig. Den Zuschauern werden zudem in einem digitalen Programmbuch die Noten der Choräle zur Verfügung gestellt - so dass sie zu Hause mitsingen können und sollen. Später sollen noch Aufzeichnungen des besonderen Konzertes im Radio und im Fernsehen laufen, wie Maul sagte.

Damit das Projekt Corona-tauglich ist, gibt es behördliche Einschränkungen. "Die Planung war wirklich extrem schwierig", sagte Maul. Mehr als 20 Menschen dürfen sich nicht in der Thomaskirche aufhalten. "Das ist eine komplett geschlossene Veranstaltung. Öffentlich wird es durch das Streaming", sagte Maul. (apa)