Gassenhauer wie "Dein ist mein ganzes Herz" verkaufen sich heute noch, bei seinem "Wolgalied" steigen den Operettenfans weiterhin die Tränen in die Augen. Am Donnerstag, 30. April, jährt sich der Geburtstag der Genregröße Franz Lehár zum 150. Mal. Nicht zuletzt dank ihm erlebte die Wiener Operette eine silberne Ära und damit eine zweite Blüte.Eine Renaissance, die durch die Beimischung zeitgenössischer Unterhaltungs- und Volksmusik erreicht wurde.

Künstlerische Bodenhaftung ist Lehár, 1870 im damals ungarischen, heute slowakischen Komorn geborenen, schon durch seine Herkunft nicht abzusprechen. Er stammte aus einer Musikerfamilie, sein Vater war Militärkapellmeister. Auch der junge Lehár, mit Ungarisch als Muttersprache aufgewachsen, aber fließend Deutsch und Tschechisch beherrschend, begann seine Laufbahn nach Studien am Prager Konservatorium und einigen Jahren als Orchestermusiker in diesem Beruf.

In seiner Wahlheimat Wien erfolgte dann aber - nach einigen erfolglosen Anläufen als Opernkomponist mit heute vergessenen Stücken wie "Kukuschka" oder "Tatjana" - alsbald die Wandlung zum freischaffenden Operettenkomponisten. Erste Erfolge fuhr er dabei mit Werken wie "Wiener Frauen", "Rastelbinder" oder "Die Juxheirat" ein, die heute nur mehr Eingeweihten ein Begriff sind.

Star der silbernen Operettenära: Franz Lehár. - © Wikipedia
Star der silbernen Operettenära: Franz Lehár. - © Wikipedia

Ohrwurm-Genie

All dies verblasst jedoch neben dem Welterfolg, für den Lehár bis heute steht: die 1905 in Wien uraufgeführten Operette "Die lustige Witwe". Die Bearbeitung eines Lustspiels von Henri Meilhac wurde zum Durchstarter mit bis heute gepfiffenen Melodien wie "Da geh' ich zu Maxim" oder "Lippen schweigen".

Lehár war neben Kollegen wie Emmerich Kálmán oder Leo Fall an der Spitze der Zunft angekommen. Spätere Werke wie "Mitislaw der Moderne" (1907), "Das Fürstenkind" (1909) oder "Clo-Clo" (1924) konnten zwar nicht an den Hype um die "Lustige Witwe" anknüpfen, sicherten ihrem Schöpfer dennoch ein Leben im Wohlstand, zu dem unter anderem eine Sommervilla in Bad Ischl gehörte.

Ab Mitte der 1920er schwang sich Lehár nochmals mit einer Serie umjubelter Werke zu neuen Höhen auf, die sich nicht zuletzt der Zusammenarbeit mit dem Publikumsliebling Richard Tauber verdankten. Für den gefeierten Tenor schrieb er "Paganini" (1925), "Der Zarewitsch" (1927) und das auch heute noch viel gespielte "Land des Lächelns" (1929). Sowohl die Uraufführungen, die abwechselnd in Wien und Berlin stattfanden, als auch die anschließenden Serienerfolge in anderen Städten festigten Lehárs Ruf als Meister des Genres.

Sein letztes großes Werk kam 1934 an der Wiener Staatsoper heraus: "Giuditta". Lehár selbst bezeichnete das zwischen Operette und Oper angesiedelte Stück als musikalische Komödie. In jedem Falle haben sich auch aus diesem Abschiedsgruß von der Bühne Ohrwürmer wie "Freunde, das Leben ist lebenswert" oder "Meine Lippen, sie küssen so heiß" erhalten.

Propagandakonzerte im besetzten Paris

Lehárs Werke hielten sich auch im Dritten Reich trotz der jüdischen Gattin Sophie auf den Spielplänen, denn Diktator Adolf Hitler schätzte das Oeuvre des Komponisten. Dieser wiederum nahm mehrere Auszeichnungen aus den Händen des NS-Führers entgegen und stellte sich 1941 für mehrere Propagandakonzerte im besetzten Paris zur Verfügung.

Während das Ehepaar Lehár die letzten Kriegsmonate in Bad Ischl verbrachte, musste sich der gesundheitlich angeschlagene Operettenkönig nach dem Zweiten Weltkrieg zur medizinischen Behandlung in die Schweiz begeben. Von dort kehrte er im Juni 1948 wieder in sein geliebtes oberösterreichisches Domizil zurück, wo er am 24. Oktober desselben Jahres verstarb.

Das Grab des kurz vor seinem Tod noch zum Bad Ischler Ehrenbürger ernannten Meisters der Gassenhauer findet sich heute am dortigen Friedhof. Seine Villa, die der Komponist der Gemeinde mit der Auflage vermachte, darin ein Museum einzurichten, steht Besuchern offen und zeigt, wie der Mann hinter der "Lustigen Witwe" privat gelebt hat. (apa/red)