Norbert Balatsch, ehemaliger Chorleiter der Wiener Staatsoper und der Bayreuther Festspiele, ist am 6. Mai im Alter von 92 Jahren gestorben. Balatsch gilt als vorbildlicher Stimmerzieher. Die von ihm geleiteten Chöre führte er zu Höchstleistungen.

Balatsch, am 10. März 1928 in Wien geboren, war von 1938 bis 1944 Wiener Sängerknabe. 1952 trat er in den Chor der Wiener Staatsoper ein. Im Jahr darauf übernahm er die Leitung des Wiener Männergesang-Vereins. 1965 wurde er Studienleiter des Extrachores der Wiener Staatsoper, 1967 deren zweiter Chordirektor, im Jahr darauf Chordirektor. 1983 wechselte er nach Rom, wo er die Leitung des Coro di Santa Cecilia übernahm. 2006 kehrte er für die Choreinstudierung von Arnold Schönbergs "Moses und Aron" zurück an die Staatsoper.

Am Ende seiner Karriere kehrte Balatsch zu ihren Anfängen zurück: 1999 bis 2001 leitete er die Wiener Sängerknaben. Von 1972 bis 1999 war Balatsch der Leiter des Chors der Bayreuther Festspiele, wo er mit Dirigenten wie Daniel Barenboim, Karl Böhm, Pierre Boulez, Dennis Russell Davies, Colin Davis, Heinrich Hollreiser, Eugen Jochum, Carlos Kleiber, James Levine, Peter Schneider, Giuseppe Sinopoli, Georg Solti, Horst Stein oder Silvio Varviso zusammenarbeitete. Unabhängig von den Leistungen und Interpretationsansätzen der Dirigenten galt Balatschs Chor als Rückgrat der Bayreuther Festspiele. Die Ovationen für den Chor und seinen Leiter waren garantiert.

Balatsch beherrschte nicht nur die große Kunst, die Sängerinnen und Sänger seiner Chöre zu motivieren, er besaß auch ein feines Gehör, das es ihm ermöglichte, die Stimmen auf nahezu einzigartige Weise auszubalancieren. Balatsch war einer der ersten Chorleiter, der nicht nur auf die führenden Stimmen achtete und sich bei Mittelstimmen mit pauschaler Sauberkeit zufrieden gab: Er erzielte in allen Stimmen die gleiche Genauigkeit in Rhythmus und Intonation, was zu einem beispiellos durchsichtigen und zugleich vollen Chorklang führte.