Die Corona-Krise macht auch den Wiener Sängerknaben zu schaffen - und zwar besonders schwer. Anders als die Staatsoper und das Burgtheater erhalten sie keine jährlichen Subventionen. Der Grund: Das beliebte Ensemble finanziert sich durch seine weltweiten Tourneen selbst. Fast pausenlos befindet sich einer der vier Sängerknaben-Chöre auf Reisen und sorgt damit für die nötigen Einkünfte.

Aufgrund der Covid-Bestimmungen sitzen die Buben nun aber in Wien fest - und das auf einem finanziell brüchigen Boden. Bis jetzt haben die Sängerknaben 113 Konzerte absagen und damit einen Einnahmenverlust von rund einer Million Euro hinnehmen müssen. Über den Goldkehlen im Matrosenanzug droht ein Sturm aufzuziehen: Falls bis Jahresende sämtliche Konzerte und Tourneen ausfallen, steigt der Verlust auf zwei Millionen Euro an - zwei Drittel des Jahresbudgets. Ein weiteres Problem: Die Schule für die jungen Sänger, die der gemeinnützige Verein im Augarten betreibt, hat ihre Türen nun wieder geöffnet wie die anderen Wiener Bildungseinrichtungen. "Wir haben Betrieb, ohne einen Cent zu verdienen", sagt der Leiter des Chors, Gerald Wirth.

Rücklagen nur bis Herbst

Zwar hat die Regierung einen Hilfsfonds für gemeinnützige Organisationen angekündigt, dotiert mit insgesamt 700 Millionen Euro. Ob dem Chor aus diesem Topf genug zufließen könnte, um über die Runden zu kommen, ist allerdings unklar. Wirth, der "an allen Ecken und Enden" zu sparen versucht, befindet sich derzeit jedenfalls in Gesprächen mit der Landes- und Bundespolitik.

Sicher sei nur: "Die Rücklagen reichen bis zum Ende des Sommers." Danach könnte es im schlimmsten Fall "extrem schwierig" werden.