Die Corona-Krise hat ihn nicht nur beruflich getroffen. Michael Schade, deutscher Opernsänger mit viel Österreich-Präsenz, wollte eigentlich im Frühling den Bund fürs Leben schließen. "Standesamtlich sind wir schon verheiratet, für März hatten wir aber eine Riesenhochzeit im Stift Melk geplant", erzählt er. Jetzt muss sich der Star-Tenor gedulden: Die Zeremonie ist auf Dezember verschoben worden. Dann blühen zwar keine Bäume in der Wachau. Dafür stehen die Zeichen gut, dass Covid-19 den Brautleuten im Winter nicht dazwischenfunkt.

Michael Schade, früher gefragter Mozart-Tenor und heute oft in schwereren Partien tätig, ist der Prachtbau in Niederösterreich wohl vertraut. Seit 2013 leitet er die Internationalen Barocktage Stift Melk. Das Pfingstfestival fällt heuer allerdings der Pandemie zum Opfer. Zu groß wäre das Ansteckungsrisiko gewesen. Die Gänge im Stift seien zu eng, sagt Schade, und manche der hiesigen Benediktiner schon über 70 Jahre alt.

Gestrichen wird das Programm aber nicht. "Das schlimmste Wort der Welt habe ich vermeiden können, und das lautet derzeit ‚Absage‘", erzählt der Intendant. Das geplante Konzertaufgebot zum Thema England (mit Purcells Oper "Dido und Aeneas") wurde auf 2022 verschoben. Ein Glück: Die meisten der gebuchten Künstler stehen für den Ersatztermin bereit.

Zukunftsperspektive bieten

Wie Schade erzählt, seien ihm die Musiker aber auch dankbar gewesen. Andere Festivals hätten abgesagt, ohne ihre Künstler überhaupt anzurufen. Er dagegen hätte das direkte Gespräch gesucht, erzählt Schade, und er habe seinen Kollegen durch die Verschiebung eine wichtige Zukunftsperspektive in Zeiten des Lockdowns bieten können. Künstler in Geldnot hätten einen Gagen-Vorschuss angeboten bekommen.

Um dem Publikum ein Lebenszeichen zu senden, hat Schade in den Vorwochen einen Konzertfilm aufgenommen: Die "Musikalischen Pfingstgrüße aus Stift Melk" sind am Sonntag auf ORF III zu sehen. Im Kreis befreundeter Künstler zollt Schade sowohl der englischen Barockmusik Tribut wie auch dem malerischen Festivalstandort. "Die Mönche beten hier jeden Tag, sie sind offen und gastfreundlich. Was dieser Platz für eine Kraft besitzt, das wollte ich einfangen und dem Publikum schenken."

Verringerte Gage denkbar

Und wie wird es nach der ersten Corona-Krise weitergehen? Schade ist hoffnungsfroh, er sieht die Welt aber nicht rosarot. Die Forderung, dass alles so sein sollte wie früher, sei "dumm". Der Normalzustand werde erst mit einem Impfstoff zurückkehren. Andererseits: Das verdamme einen nicht zur Untätigkeit. "Man muss vorsichtig bleiben, doch kreativ", sagt Schade - zum Beispiel durch Auftritte in Parks oder Salons, in einem luftigen oder kleinen Rahmen. Dafür würde der Sänger auch einen Teil seiner Gage opfern: "Ich bekomme lieber 50 Prozent von etwas als 100 Prozent von nichts."

Schade weiß, wovon er spricht: Er hat in Europa und Übersee etliche Auftritte verloren. Nur einmal hat er dafür ein Ausfallshonorar erhalten: eine karge Kompensation. "Andererseits verstehe ich, wenn jetzt alle sagen: ‚Bitte, woher sollen wir das Geld nehmen?‘" Statt aufeinander herumzuhacken, sei Solidarität gefragt. Schade: "An sich ist es bei uns wie in der Formel eins, jeder kämpft um sein Überleben." Jetzt müsse man aber "Türen öffnen" und auch "Kollegen mitnehmen, die freischaffend sind und nichts verdienen. Wir alle sitzen im gleichen Boot."