Ende März hätte man noch darauf gewettet: Die Pandemie, die den Wiener Klassikbetrieb eingefroren hatte, würde das Kulturleben wohl bis Herbst auf Eis legen. Dank sinkender Fallzahlen hat nun aber ein Tauwetter eingesetzt: Die Regierung gestattet Veranstaltungen mit 100 Besuchern in geschlossenen Räumen, ab Juli dürfen es bis zu 250 Personen sein.

Das sind zwar Bedingungen, unter denen die Kasse der großen Veranstalter - mit rund 2000 Plätzen im Saal - eher nicht klingelt. Die Staatsoper, der Musikverein und das Konzerthaus nehmen jetzt dennoch wieder ihren Betrieb auf, um vor dem Saisonende zumindest ein Lebenszeichen zu setzen.

Konzerte in der Oper

Die Staatsoper beginnt am nächsten Montag und bietet bis Ende Juni 14 Konzerte, meist in Duo-Besetzung: Begleitet von einem Pianisten, beehren wechselnde Ensemblemitglieder und Gastkünstler das Haus. Dabei treten unter anderem Günther Groissböck (8. Juni), Tomasz Konieczny (11.), Juan Diego Flórez (20.) und Krassimira Stoyanova (25.) vor die schütter besetzten Reihen. Den Abschluss bildet am 27. Juni ein "Galakonzert des jungen Ensembles" - ein Termin, mit dem der scheidende Direktor Dominique Meyer doch noch coram publico Abschied feiern kann. Der Verkauf für die Konzertreihe beginnt am Donnerstag, 4. Juni, 8 Uhr, online und in der Kassenhalle der Bundestheater. Aus Sicherheitsgründen stehen nur Einzelkarten im Parterre zur Verfügung. Das Gebäude muss mit Mund-Nasen-Schutz betreten werden, dieser darf am Platz abgelegt werden.

Klassik, pausenlos

Diese Masken-Regel gilt auch im Musikverein und Konzerthaus. Beide nehmen am Freitag den Betrieb wieder auf. Die Termine im Musikverein finden ohne Pause statt und dauern nicht länger als 70 Minuten, die Büffets bleiben geschlossen. Den Auftakt machen die Wiener Philharmoniker unter der Leitung des beliebten Daniel Barenboim, am Wochenende wechselt der Klassik-Star dann vom Dirigentenpult ans Klavier. Am 14. Juni wird Riccardo Muti die Philharmoniker leiten, am 19. Juni Franz Welser-Möst; zudem sind Kammerkonzerte geplant. Der Verkauf hat bereits in der Vorwoche begonnen.

Das Konzerthaus zeigt sich bei seinem Comeback wiederholungsfreudig: Um ein Höchstmaß an Musikfreunden zu erreichen, wird die gleiche Veranstaltung mehrfach pro Tag abgewickelt. Das Eröffnungsprogramm (mit den Wiener Symphonikern und Pianist Igor Levit) erklingt am Freitagabend zweimal, auch andere Highlights (wie Beethovens Violinsonaten mit Julian Rachlin oder die Klavierkonzerte des Bonners mit Rudolf Buchbinder) erleben Dacapos. Zudem wird das Konzerthaus im Juli Termine veranstalten, ebenso wohl im August - Letztere sind noch nicht bekannt gegeben worden.

Glamour in Grafenegg

Und die Klassikfestivals im Sommer? Grafenegg und Salzburg haben bekanntlich nicht abgesagt. Die Niederösterreicher stellten nun als Erste ihr adaptiertes Programm vor. Weil die Konzertreihe im Freien logiert und ein Sicherheitskonzept besitzt, darf der "Wolkenturm" 1250 Personen empfangen, die Hälfte der Kapazität. Das Festival findet von 14. August bis 6. September ohne ausländische Orchester statt, doch nicht glamourfrei: Stars vom Rang Piotr Beczałas und Anna Netrebkos treffen auf Ensembles wie die Symphoniker, die Philharmoniker und die Tonkünstler NÖ. Intendant Rudolf Buchbinder, viermal am Klavier zu hören, wünscht sich "Segen von oben": Aufgrund des Sicherheitskonzepts darf man bei Regen nicht in den hiesigen Konzertsaal ausweichen, sondern muss absagen.