Wörtlicher kann man die Verordnung zur Sitzplatz-Beschränkung nicht nehmen: Die Staatsoper hat die Klappflächen all jener Sitze entfernt, die sie Corona-bedingt nicht anbieten darf - und das ist eine ganze Menge. Am Montagabend hat das Haus seinen Betrieb mit einer Konzertserie neu begonnen, der lediglich 100 Besucher pro Abend beiwohnen dürfen.

Umso generöser Günther Groissböck vor dem Eisernen Vorhang: Eigentlich hätte der beliebte Bass die Bühne bereits nach 75 pausenlosen Minuten wieder räumen sollen, tatsächlich werkte er 40 Minuten länger. Da und dort unterbrochen von einem Gedichtbeiträger (Uwe Eric Laufenberg), setzte es ein maßgeschneidertes Pandemie-Programm: Schicksalsschwere, Hoffnung und Hinfälligkeit lauten die zentralen Themen des Abends, weitgehend bestückt mit Liedern des Chef-Melancholikers Franz Schubert. Die Blumenträume des Prometheus, die Grenzen seiner Geschöpfe treten dabei ins harte Licht der Wahrheit. "Und im kleinen Kahne / wird uns bang - / Wellen droh’n, wie Zeiten / Untergang." Zweimal fällt dieses Schlusswort: Erst schwebt es süß herein, dann stürzt es in Höllentiefen ab. Groissböck, ebenso gesegnet mit Süßholz in der Kehle wie mit grimmigen Grubentönen, schöpft diesen Kontrast voll aus. Dabei hat er auch den Atem, um weite Phrasen mit Energie zu durchglühen, wie in Carl Loewes Schauerballade von "Odins Meeresritt". Und, seltsam: Dank seiner balsamischen, offenen Töne steht ihm auch Mahlers "Urlicht", uneitel und prächtig begleitet von Pianistin Alexandra Gouloubitskaia, hervorragend an.

Der Ausnahmen nicht genug, setzt es als Zugabe (!) nichts Geringeres als Wotans Schlussgesang aus der "Walküre" samt Feuerzauber, dargebracht mit aller Empfindsamkeit eines Göttervaters und der gebotenen Befehlsgewalt. Also doch noch Oper in der Oper - und die entsprechende Begeisterung im Saal.