In Zeiten, in denen der Babyelefant allgegenwärtig ist, klingt die Programmierung nach einem Volltreffer. Im fünften Satz von Camille Saint-Saëns‘ "Karneval der Tiere" hat ja ein ausgewachsenes Exemplar der grauen Dickhäuter seinen großen Auftritt. Der französische Komponist spickte seine zoologische Fantasie mit allerhand Parodien auf die Kollegenschaft. Die mit Streichquintett, zwei Klavieren, Percussion, Flöte und Klarinette besetzte Suite funktioniert im Grunde selbsterklärend. Die Instrumente schlüpfen hörbar in die einzelnen Rollen.

Dennoch sind Aufführungen und Einspielungen mit Erzählern (etwa Loriot oder Peter Ustinov) mittlerweile üblich. Groß sind also die Fußstapfen, in die Emmanuel Tjeknavorian treten will. Nach dem Abend im Großen Musikvereinssaal lautet die Erkenntnis: derzeit zu groß. Der Ausgangspunkt für die Geschichte des exzellenten Geigers, der auf der Überholspur Karriere macht und mittlerweile auch dirigiert, ist an sich gut: Er vergleicht den Philharmonikerball mit einem Karneval der Tiere. Die Parallelen von Salonlöwen, feschen Katzen und schrägen Vögeln kommen jedoch zu gewollt daher, sind sprachlich nicht immer auf dem Punkt und rutschen stellenweise ins Despektierliche ab. Das größte Manko an Tjeknavorians Konzept ist, dass die Komposition zu wenig Entfaltungsmöglichkeit hat und kaum Raum zum Wirken erhält. In der aktuellen Situation, die bloß hundert Konzertgäste gestattet, muss das Musizieren an oberster Stelle stehen, nicht die Moderation. Die anschließenden Strauß-Walzer in den grandiosen Bearbeitungen von Schönberg und Berg konnten diesen Eindruck nicht mehr wettmachen.

An der Seite von Tjeknavorian waren einige Speerspitzen des heimischen Nachwuchses zu erleben: der Kontrabassist Dominik Wagner, die Pianisten Maximilian Kromer und Aaron Pilsan, der Cellist Jeremias Fliedl. Es wäre einiges möglich gewesen.