Die ersten Bravo-Rufe kamen bereits nach der zweiten Arie, viele weitere sollten folgen bis hin zu stehenden Ovationen - vollkommen zu Recht, denn der Liederabend von Juan Diego Flórez am Samstag in der Staatsoper war schlicht großartig. Der Tenor hatte ein stimmiges Programm aus italienischen und französischen Opernkostbarkeiten zusammengestellt, das er mit gewohnter Perfektion, intensiver Gestaltungskraft und gehörig viel Charme präsentierte. Mit Cécile Restier, Solo-Repetitorin am Haus, saß dem souveränen Sänger eine einfühlsame Partnerin am Klavier zur Seite, die die diversen Szenen mit perfektem Timing ausstattete und auch drei reizende Solostücke zum Besten gab.

Flórez ließ in diesem Konzert keinen Wunsch offen, stülpte sich die einzelnen Rollen flugs über: Eine kleine Drehung mit dem Kopf, und schon war er Gounods Faust, im nächsten Moment Massenets Werther. Ob als Bellinis Tebaldo, Rossinis Giocondo oder Verdis Oronte: die Spitzentöne klangen makellos, jede Phrase war mit Musikalität ausgefüllt und die wohldosierten Gesten hätten nicht besser platziert sein können. Den Zugabenteil eröffnete Flórez mit einem markigen "Freunde, das Leben ist lebenswert" aus Franz Lehárs Operette "Giuditta". Danach griff er zur Gitarre und verwandelte die Staatsoper mit lateinamerikanischer Musik am roten Samthocker sitzend in einen gemütlichen Club. Schließlich Agustín Laras "Granada" und zu guter Letzt Puccinis "Nessun dorma": ein Labsal.