Für Dominique Meyer ist die Suche nach jungen Gesangstalenten vergleichbar mit der Suche nach Steinpilzen: Manchmal findet man keinen einzigen, dann gleich drei auf einmal und stets ist es ein angenehmer Zeitvertreib. So verabschiedete sich der scheidende Direktor der Wiener Staatsoper mit einem Galakonzert des jungen Ensembles. Ein Rückblick auf die vergangenen zehn Jahre in musikalischer Hinsicht was das Repertoire, in interpretatorischer was die ausführende Sängerschar betrifft.

Zum erfüllendsten Umstand des Abends gehörte die coronabedingt lang vermisste Beteiligung des Orchesters der Wiener Staatsoper. Wie im Flug verging der erste Teil, der ganz der grandiosen Musik von Mozart gewidmet war, animierend dirigiert von Adam Fischer. Adam Plachetka als viriler Don Giovanni und später als ungemein präsenter Graf Almaviva. Cherubino einmal mit einer entzückend interagierenden Rachel Frenkel, dann mit einer geschmackvoll verzierenden Svetlina Stoyanova. Der musikalische Höhepunkt im Mozart-Block gelang dem Orchester und Olga Bezsmertna als Gräfin mit einem berührenden "Dove sono". Die zweite Hälfte war zum Großteil dem italienischen und französischen Fach gewidmet, das Dirigent Marco Armiliato anvertraut war. Josh Lovell als Tonio mit neun makellosen hohen Cs, Daniela Fally als formidable Marie. Verdi mit den überzeugenden Herren Jinxhu Xiahou (Herzog von Mantua) und Jongmin Park (Banquo).

Abstecher ins deutsche Fach unternahmen Samuel Hasselhorn als inniger Wolfram und Ausnahmesänger Tomasz Konieczny als markerschütternder Holländer. Eine Gala, wie es sich gehört, mit Überlänge, unzähligen Dankesworten, der Überreichung der Ehrenmitgliedschaft an Dominique Meyer und den kaufmännischen Leiter Thomas Platzer und stehenden Ovationen.