Eine Darbietung, die als Visitenkarte für die erfolgreiche Zusammenarbeit und großartige Form aller Beteiligten fungieren könnte. Ludwig van Beethovens Erstes Klavierkonzert gelang am Sonntag im Wiener Konzerthaus mustergültig.

An den vergangenen drei Abenden präsentierten die Wiener Symphoniker gemeinsam mit Rudolf Buchbinder (in der Doppelfunktion als Solist und Orchesterleiter) alle fünf Klavierkonzerte von Beethoven. Mit seidigem Klang hoben die Streicher an zur Orchesterexposition des formal noch sehr klassisch angelegten C-Dur-Konzerts. Dann der Einsatz des Solisten. Buchbinder ist ein kundiger Beethoven-Spieler, ein Wissender. Organisch verbanden sich Orchester und Klavier. Das Fagott spielte seine Linien genüsslich aus. Kleine Gesten des dirigierenden Pianisten zeigten große Wirkung im Orchester. Die Wiener Symphoniker agierten höchst aufmerksam.

Wunderbar die Atmosphäre im Largo, ein beinahe weihevoller Dialog. Elegant trat die Klarinette hervor. Bezaubernd gelang der Schluss des zweiten Satzes. Keck und vollmundig schließlich das Rondo. Keine Sekunde vermisste man einen hauptamtlichen Dirigenten. Diffiziler per se ist die Interaktion hingegen beim Vierten Klavierkonzert. Doch auch hier klappte alles. Hochspannung im zweiten Satz, dann ein wunderbar gestalteter Übergang zum Rondo, dessen Beginn an eine von der Sonne beschienene Meeresoberfläche denken ließ. Rudolf Buchbinder zeigte im Lauf des Abends immer mehr klangliche Facetten. Die schönsten Farben gelangen ihm scheinbar beiläufig, etwa am Ende einer Phrase. Der Musiker Buchbinder vereint routinierte Versiertheit mit unversiegbarer Spielfreude und steht dabei stets im Dienste von Komponist und Werk.

Ein Glück. Das Publikum im Großen Saal dankte mit kräftigem Applaus.