Die Corona-Krise hat die Jeunesse gehörig gebeutelt: Im Juni gab der Musikveranstalter bekannt, die Kinderkonzerte und Bundesland-Events zu streichen. Nun wurde die Hiobsbotschaft widerrufen - das bisherige Leitungsduo musste aber gehen. Katharina Regner, Obfrau des gemeinnützigen Vereins, sitzt nun interimistisch auf dem Manager-Chefsessel und schildert die Hintergründe.

"Wiener Zeitung": In den Vormonaten ging es in der Jeunesse drunter und drüber. Was ist geschehen?

Katharina Regner: Unser Verein finanziert sich in hohem Ausmaß über Karteneinnahmen. Das macht uns in guten Jahren stolz, ist in Krisenzeiten aber ein enormer Nachteil. Vom Corona-Lockdown im März bis zum Juni sind so viele Einnahmen weggebrochen, dass wir in eine existenzielle Krise gerieten. Freundlicherweise hat der Bund dann rasch reagiert: Binnen drei Tagen haben wir die erste Tranche aus dem NPO-Fonds überwiesen bekommen. Das gibt Anlass zu vorsichtigem Optimismus.

"Vorsichtig optimistisch": Obfrau Katharina Regner. - © Wilke
"Vorsichtig optimistisch": Obfrau Katharina Regner. - © Wilke

Am 4. Juni sah die Welt noch anders aus: Die Jeunesse verkündete, ihre Kinderkonzerte und sämtliche Aktivitäten in den Bundesländern einzustellen. War das nicht voreilig? Zu dem Zeitpunkt war doch bekannt, dass der NPO-Fonds bald anlaufen würde. Und dank dieses Gelds konnten Sie die harten Maßnahmen dann abwenden.

Voreilig nicht, denke ich. Man wusste ja nicht, wie schnell das Geld wirklich fließen würde. Außerdem: Wir besitzen als gemeinnütziger Verein keine Reserven, um uns über eine längere Durststrecke retten zu können. Damit stand durchaus zu befürchten, wir müssten uns künftig auf kostendeckende Termine beschränken - was natürlich kaum etwas mit dem Vereinszweck der Jeunesse zu tun gehabt hätte, nämlich der musikalischen Förderung der Jugend.

Die Schreckensbotschaft sorgte auch für Irritation in den Bundesländern, in denen die Jeunesse zu den Grundpfeilern der Musikpädagogik zählt. Man sei über das Aus nicht informiert worden, hieß es etwa aus Oberösterreich. Gab es böses Blut?

Nein. Wir haben dann schnell ein österreichweites Dringlichkeitstreffen in Salzburg einberufen und mit den Landesstellen die Möglichkeiten ausgelotet. Wir einigten uns darauf, statt der Total-Streichung mit verringerten Budgets zu arbeiten.

Die Radikal-Kürzung war nicht Ihre Initiative, sondern ging offenbar vom bisherigen Leitungsduo aus - der kaufmännischen Geschäftsführerin Alexandra Jachim und der künstlerischen Leiterin Madeleine Landlinger. Beide wurden abgesetzt; stattdessen haben nun Sie interimistisch die Leitungsagenden inne. Musste das Duo wegen seiner Entscheidungen gehen?

Wir im Vereinsvorstand waren in den Vorjahren sehr zufrieden mit der Geschäftsführung und konnten uns auch eine Doppelspitze für die Organisation leisten. Jetzt müssen wir aber sehen, wie wir durch die mageren Zeiten kommen und selbst anpacken.

Sie sagen also, die Absetzung sei eine Sparmaßnahme? Welche Organisation kündigt in einer Krise als Erstes die Chefs?

Es war eine Mischung aus ökonomischen Belangen und Vertrauensfragen. Ja, es lag auch am Krisen-Management. Als Vorstand muss man dann mitunter eine unpopuläre Maßnahme setzen, dazu stehe ich. Ich nehme meine Arbeit für die Jeunesse sehr ernst, auch wenn ich hauptberuflich Anwältin in meiner Kanzlei bin. Ich bin kein Frühstücksdirektorium für die Jeunesse, sondern ich bringe mich ein. Ich will diesen Verein 70 Jahre nach seiner Gründung nicht im Stich lassen.

Wird Ihre Arbeit als Interims-Geschäftsführerin bezahlt?

Nein, das ist ehrenamtlich. Ich teile meinen Arbeitstag zwischen Jeunesse und Kanzlei auf.

Wird die künstlerische Leiterin Antonia Grüner zurückkehren, die heuer in Karenz ging und von Landlinger ersetzt wurde?

Ja. Vielleicht bringt sie sich bereits nächstes Jahr wieder ein.

Wie viele Termine müssen Sie in der kommenden Saison streichen? Regulär sind es rund 600 pro Spielzeit.

Wir müssen jedes Projekt darauf prüfen, ob es in unseren vorsichtigen Budgetplan passt. Vielleicht werden es 180, vielleicht 320 Termine. Weil wir kein eigenes Haus besitzen, bespielen wir unterschiedliche, und dabei ist vieles zu bedenken: Miete, Bestuhlung, Künstlerhonorar. Ich kann das nicht pauschal beantworten.

Apropos Bestuhlung. Womit rechnen Sie für den Herbst: Schachbrett-Muster, oder könnte die Rückkehr zur vollen Sitzplatzbelegung erlaubt werden?

Eher Schachbrett. Oder geblockt, also das Beisammensitzen gewisser Gruppen. Man weiß es nicht. Das Einzige, was mich ein wenig beruhigt, ist: Es geht allen so. Man kann nur versuchen, die Dinge vorsichtig optimistisch über die Krise zu tragen.