Wie viele Symphonien hat Beethoven geschrieben? Einem alten Scherz zufolge nur drei, nämlich die Dritte, die Fünfte und die Neunte. Etwas Ähnliches ließe sich von seinen Klaviersonaten behaupten, denn auch hier hat der Bonner drei Reichweiten-Sieger hervorgebracht - "Pathétique", "Appassionata" und "Mondschein"-Sonate.

Igor Levit erinnert in Salzburg daran, dass manches Schwesternwerk zu Unrecht im Schatten steht. Der Star der jüngeren Pianisten-Generation arbeitet sich seit Sonntag durch alle 32 Sonaten des Jahresjubilars. Eine Entdeckung ist da etwa der G-Dur-Vertreter op. 14/2, auch weil er dem Image vom grimmigen Klassik-Genius widerspricht. Wurde dieses tönende Augenzwinkern nach einem Sommertag oder Stelldichein entworfen? Beethovens Musik fließt selten so entspannt, selten treten Melodien so vergnügt auf den Plan, selten verzichtet der Tonsetzer in seinem Spiel mit Erwartungen stärker auf grimmige Kontraste. Hier serviert er lieber diverse Pointen: Plumm-plumm-plumm, rollt das Stück am Ende mit nonchalanten Bassnoten aus. Understatement vom Meister.

Levit kostet diese Schelmereien am Montag nuanciert aus, und er zeigt sich auch anderweitig als Mann der feinen Klinge. Sein Beethoven strotzt vor Lebensfülle, Wendigkeit und Dynamik, verzichtet aber auf grelle Rufzeichen. Soll heißen: Der Steinway-Flügel scheppert nur im Ausnahmefall, erweist sich eher als Ausgangsort eines gedämpften Tons. Die Fis-Dur-Sonate (op. 78) bleibt so der Zartheit ihres Beginns weitgehend treu; die lange Es-Dur-Sonate (op. 7) fügt sich noch souveräner zu einem Ganzen - wobei Levit schnelle Oktavgänge sanft zum Singen bringt.

Nach dem jauchzenden Finale von "Les Adieux" eine Uraufführung als Zugabe: Ein betörendes Zwitterstück zwischen Satie und Jazzballade, erdacht von einem Grenzgänger mit dem Künstlernamen Malakoff Kowalski. Zuletzt Jubel für Levit - nach seinen Hauskonzerten auf Twitter nun wieder in Form von Standing Ovations.