Auch so lässt es sich auf ein Handy-Signal reagieren - jedenfalls, wenn man zwischen zwei Stücken gerade die Hände frei hat. Igor Levit, davor schon öfter von elektronischen Störenfrieden behelligt, drückt als Antwort eine Klaviertaste nieder - genau jene, die der Tonhöhe des Smartphones entspricht. Eine sanfte Kritik, und klüger als die Wutanfälle eines Keith Jarrett wegen ähnlicher Irritationen: Levits Mahnung lässt ein sanftes Lächeln durch den Saal gehen.

Ohnehin gilt der Wahl-Berliner als Sympathieträger in der breiten Öffentlichkeit: Der 33-Jährige wirkt so Elfenbeinturm-fern wie kaum ein Kollege, er gibt sich in Konzerten warmherzig und in Interviews scharfzüngig gegenüber Klimasündern - und ist vom deutschen Feuilleton zum Jahrhundertpianisten geadelt worden. Dass ihm Salzburg das Mandat für alle 32 Beethoven-Sonaten erteilte, darf als weitere Nobilitierung gelten.

Als Beethoven-Exeget gefeiert: Igor Levit. - © APAweb / Robbie Lawrence
Als Beethoven-Exeget gefeiert: Igor Levit. - © APAweb / Robbie Lawrence

Dabei besitzt Levits Rüstzeug durchaus Glanz: Seine Technik ist - wie bei vielen Pianisten seiner Generation - profund, seine Geläufigkeit enorm und die Pianokultur von edlem Schliff. Doch das reicht nicht immer, um den Ansprüchen eines Beethoven-Zyklus Genüge zu tun, jedenfalls nicht ganz an diesem Mittwoch im Haus für Mozart. Schön zwar: Die fünfte Sonate (c-Moll, op. 10/1) greift als Werk der gedrungenen Kontraste Raum, und das Ende der 22. in F-Dur rotiert als abstrakter Notenstrudel. Die Nummern 19 und 20 bescheren aber einige Durststrecken: Zu wattiert tönt der Steinway, zu ungefähr die Artikulation, um auch diesen weniger prägnanten Sonaten Spannung zu verleihen. Wut, Behagen, Verblüffung, Trauer: Das alles teilt sich zwar schon in Levits Tastenarbeit mit, stärker aber noch in seinen Gesten mit der sporadisch geschwungenen Dirigentenhand. Auch die "Appassionata" gerät zum Mix der genützten und vertanen Chancen, beschert am Ende aber auch einen Moment des Risikos: wenn Levit die finale Coda halsbrecherisch beschleunigt. Ein Wagnis, das ihm das Publikum mit Beifallsstürmen lohnt.