Das Modell der Salzburger Festspiele in Zeiten von Corona macht in der Schweiz Schule: Das Lucern Festival trotzt der Pandemie mit einer den Erfordernissen angepassten Ausgabe. Kein fünfwöchiges Schaulaufen von Spitzenorchestern aus aller Welt und keine Cüplis in der Pause: Das Festival ist in diesem Sommer kürzer, weniger mondän und etwas regionaler als sonst. Dennoch verspricht das Programm Stars, Hochkarätiges und Überraschendes.

"Freude" hieß das Motto des geplanten fünfwöchigen Sommeranlasses von Lucerne Festival, das wegen Corona abgesagt werden musste. Durchgeführt wird nun vom 14. bis 23. August das Festival "Life is Live" - ein Lebenszeichen nach Wochen des Stillstands.

Herbert Blomstedt, Martha Argerich, Igor Levit und Cecilia Bartoli sind die Stars des Kurzfestivals. Sie alle werden vor halb leeren Rängen auftreten. Statt 1.900 Personen sind im Konzertsaal des KKL Luzern nur 950 zugelassen. Diese müssen Masken tragen und Sitzfleisch haben: die Konzerte werden ohne Pause gespielt. Einen Barbetrieb gibt es nicht. Die Plätze seien wegen Corona zügig einzunehmen und Ansammlungen zu vermeiden, heißt es im Schutzkonzept.

Es gibt noch Karten

Eine weitere Parallele zu den Salzburger Festspielen: Mit dem Karten-Vorverkauf ist das Lucerne Festival zufrieden. Es gibt aber knapp vor Beginn noch Karten, was für beide notorisch ausverkaufte Festival ungewönlich ist. Viele würden wohl kurzfristig über einen Besuch entscheiden und die Abendkasse benutzen, erklärte eine Sprecherin. Es wird wohl in Luzern auch diesbezüglich laufen wie an der Salzach.

Eröffnet wird das Kurzfestival wie jeweils das reguläre Sommerfestival vom Lucerne Festival Orchestra. Dieses tritt zwar in einer auf 35 Musikerinnen und Musiker verkleinerten Formation auf. Doch das soll kein Mangel sein, denn es entspricht der Orchestergröße, die zu Ludwig van Beethovens Zeit üblich war.

Beethoven, dessen 250. Geburtstag dieses Jahr begangen wird, steht im Zentrum der beiden ersten Festivalabende mit dem Lucerne Festival Orchestra. Am Flügel sitzt die argentinisch-schweizerische Pianistin Martha Argerich, es dirigiert Herbert Blomstedt. Blomstedt, der 1979 in Luzern seinen Einstand gegeben hat und seit vielen Jahren dort lebt, wird nun als 93-Jähriger erstmals das Festivalorchester leiten.

Stars und Glocken

Der Pianist Igor Levit wird an zwei Abenden ebenfalls mit einem Beethovenprogramm auftreten. Die Wahlzürcherin Cecilia Bartoli wird Werke des von Beethoven verehrten Georg Friedrich Händel singen.

Der aus Luzern stammende Tenor Mauro Peter präsentiert einen Abend mit Liedern von Robert Schumann. Ein eher seltenes Soloinstrument in der klassischen Musik spielt die in der Schweiz lebende französische Saxophonistin Valentine Michaud. Sie spielt unter anderem mit den Lucerne Festival Alumni zeitgenössische Musik.

Neue Klänge werden nicht nur im Konzertsaal, sondern an drei Abenden in der ganzen Stadt zu hören sein. 17 Glocken von vier Luzerner Kirchen werden nach Vorgaben des Komponisten und Schlagzeugers Peter Conradin Zumthor als Instrumente eingesetzt. Für seine 75 Minuten lange Komposition "Luzerner Glocken - con sordino" ummantelte er die Klöppel der Glocken mit verschiedenen Materialien. Das Konzert wird an Klangspaziergängen angeboten. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung wegen Covid-19 aber obligatorisch.

Wie jedes Jahr, findet auch am diesjährigen Sommerfestival ein Straßenmusikfestival statt, indes wegen Corona nicht auf den Plätzen der Altstadt, sondern zentral im Stadthauspark. Auch bei diesen Konzerten ist das Tragen von Masken obligatorisch. (apa/red)