Riccardo Muti ist in Salzburg zu Ferragosto schwer zu toppen. Da muss schon - im hundertsten Jahr der Festspiele - Beethovens Neunte her. Festlichere Jubel-Aerosole sind einfach nicht denkbar. Seit anderthalb Wochen sind Fächer dezidiert verpönt, aber am 15. August ist der Verzicht besonders schwer gefallen. Man hätte im Großen Festspielhaus doch wenigstens mit dem Programmheft gelegentlich gerne Richtung Podium gewachelt. Einfach zur Gegenwehr.

Aber Freunde, nicht diese Töne! Man tut ja alles in Salzburg, auf dass der Faden, der das Covid-19-Damoklesschwert oben hält, nicht zerreißt. Bei "Così fan tutte" steht der Staatsopernchor auf der Hinterbühne, so wollen wir hoffen, in gebotenem Abstand zueinander. Auf dem Podium geht das nicht. Und überhaupt: Wie sähe die Neunte aus mit Lücken in den Chorreihen?

Riccardo Muti ist zugutezuhalten: Er hat den Chor nicht immer nur ganz laut singen lassen. Dann und wann schien es nämlich so, dass Muti doch ein wenig lenkend eingriff. Aber das war die Ausnahme. Eh nicht schlecht, sich den Wiener Philharmonikern so anzuvertrauen. Der dritte Satz ist ob der Bläser-Schönheiten echt gut gekommen. Laissez-faire auf höchstem Orchesterniveau. Und wann hört man schon eine Chrysothemis (Asmik Grigorian) und eine Dorabella (Marianne Crebassa) in einem Solistenquartett (dazu Saimir Pirgu, Gerald Finley)?

Augenblicklich Standing Ovations. Wer lässt sich Muti und die Neunte durch den realen Ohren-Schein madig machen?