Mit Resignation ging’s los, und wenn auch das zweite Lied dieses Programms "An die Hoffnung" überschrieben war: Der Beethoven-Liederabend von Matthias
Goerne war eher etwas für die seelisch Gefestigten im Publikum. Bloß nicht übermütig werden!

Macht da einer dem Liedsänger Christian Gerhaher Konkurrenz, der geradezu aufs Nachtschattige abonniert ist? Goerne und der junge kanadische Pianist Jan Lisiecki haben das Programm ihrer bei DGG erschienenen Beethoven-CD am Dienstag im Haus für Mozart hören lassen. Besagten Text "An die Hoffnung" - der Autor ist ein gewisser Christoph August Tiedge, evangelische Trantüte aus Dresden - hat Beethoven im Abstand von zehn Jahren gleich zwei Mal vertont, 1805 und 1815. Goerne fand im früheren Lied schon genug Anhaltspunkte, um zu vermitteln, wie dünn gewoben Hoffnungsfäden sein können. Im späteren Lied, mit mehr Textstrophen, ging Beethoven ans Eingemachte: "Ob ein Gott sei? Ob er einst erfülle, / Was die Sehnsucht weinend sich verspricht?" Das hat Beethoven zu einer vielgestaltigen, fast theatralischen Szene in abgründigstem Grau gestaltet. Dafür ist Matthias Goernes Stimme, deren Timbre ohnehin ein gewisser Bodennebel eignet, genau der richtige Mann.

Leider gab’s für diesen Liederabend keine Liedtexte. Das war nicht zu Goernes Vorteil, denn sein grüblerischer Zugang zu diesen im Einzelnen doch weniger populären Gesängen setzt das Mitlesen eigentlich voraus. Was Textverständlichkeit angeht, ist Goerne ganz weit weg von jenen Kollegen, die derzeit Maßstäbe für den Liedgesang vorgeben.

Dass man nach Konzertende doch nicht gleich die Nummer des psychiatrischen Notdienstes gewählt hat, ist dem 25-jährigen Kanadier Jan Lisiecki zuzuschreiben, der leicht und duftig phrasierte, wo Goerne ganz tief in die Seelentrübnis tauchte.