Der englische Gitarrist Julian Bream ist, wie erst jetzt bekannt wurde, am 14. August in Wiltshire im Alter von 87 Jahren gestorben. Bream galt als einer der bedeutendsten, wenn nicht gar als der bedeutendste, klassische Gitarrist seiner Zeit. Er kümmerte sich sowohl um die Wiederbelebung Alter Musik als auch um die Neue Musik. Durch zahlreiche Auftragswerke positionierte er die Gitarre als wesentliches Instrument der zeitgenössischen Musik.

Bream, am 15. Juli 1933 in London geboren, war der Sohn eines von Django Reinhardt beeinflussten Jazzgitarristen. Anders als sein Vater, interessierte sich Julian Bream in erster Linie für die klassische Gitarre. Geld verdiente er freilich zuerst als E-Gitarrist einer Big Band. Schon ehe er seine Ausbildung am Royal College of Music vervollkommnete, hatte er sich das Gitarrespiel autodidaktisch beigebracht und war bereits als Jugendlicher öffentlich aufgetreten.

Aufträge für zeitgenössische Komponisten

Nach Abschluss seines Studiums widmete sich Bream zwei unterschiedlichen Musikrichtungen: Einerseits bemühte er sich als Lautenist um Alte Musik, andererseits als Gitarrist um zeitgenössische Musik. In den 1950er Jahren trat er als Lautenbegleiter des Tenors Peter Pears mit Liedern englischer Renaissancekomponisten auf. Pears war der Lebensgefährte des englischen Komponisten Benjamin Britten, wodurch Bream im Kreis Brittens Aufnahme fand. Britten komponierte für Pears und Bream die "Songs from the Chinese" und für Bream als Solisten das "Nocturnal" nach John Dowland, der zu den von Bream favorisierten Renaissancekomponisten gehörte.

Weiters beauftragte Bream Komponisten wie Malcolm Arnold, Leo Brouwer, Peter Racine Fricker, Humphrey Searle, Toru Takemitsu, Michael Tippett und William Walton mit Werken für Gitarre solo. Hans Werner Henze schrieb für Bream zuerst den Gitarrenpart der "Kammermusik 1958" und dann die solistische "Royal Winter Music", der in der Bedeutung für die Gitarre eine Stellung zuerkannt wird vergleichbar der von Bachs "Wohltemperiertem Klavier" für Tasteninstrumente.

Breams eigene Übertragung von Isaac Albéniz' Klavierwerk "Suite española" und "Danza No. 5" aus den "Danzas españolas" von Enrique Granados gelten als Meilensteine der Interpretationsgeschichte und als Musterbeispiele dessen, was auf der klassischen Gitarre technisch möglich ist.

Botschafter eines Instruments

Im Londoner Verlag Faber Music gab Bream die Guitar Series heraus.  1967 veröffentlichte er sein Album 20th Century Guitar. Für das Fernsehen produzierte er 1985 "Guitarra! – A musical Journey through Spain". Diese Filmserie in acht Teilen über die gesamte Geschichte des Instrumentes wurde in mehreren Ländern gesendet und ist auch auf DVD erhältlich. In diesen Filmen spielt Bream außer der klassischen Gitarre auch Vihuela, Renaissance- und Barockgitarre.

Eine ausführliche DVD erschien 2003 mit My Life In Music von Regisseur Paul Bahner, die drei Stunden Interviews und Konzerte enthält. Graham Wade bezeichnete sie als "den schönsten Filmbeitrag zur klassischen Gitarre überhaupt".

Sein letztes Konzert gab Julian Bream 2002 in Norwich.

Das Gitarrespiel neu erfunden

Breams außerordentliche Bedeutung für die Interpretation von Lauten- und Gitarrenmusik beschränkt sich nicht allein auf die Perfektionierung und Ausweitung der Technik: Wurde die Gitarre primär als akkordisches Instrument verstanden, zeigte Bream als einer der ersten die kontrapunktischen Möglichkeiten. Speziell in den von Bream beauftragten Werken und in Breams eigenen Bearbeitungen zieht die Gitarre in ihren Möglichkeiten mit dem Klavier gleich. Fast scheint es, als habe Bream das Gitarrespiel auf der Basis der Tradition neu erfunden.

Selbst, wenn Bream nicht als Auftraggeber hinter den Werken steht, zeigen sich diese von seinen Fähigkeiten und Anregungen beeinflusst, ob es nun die Gitarrenparts in den Werken des Engländers Peter Maxwell Davies sind oder die des US-Amerikaners George Crumb. So ist Bream nicht nur die Wiederbelebung der Renaissance-Lautenmusik zu verdanken, sondern auch die Positionierung der Gitarre als Ausdrucksträgerin in der zeitgenössischen Musik.