Martha Argerich und Renaud Capuçon: Das ist ein spannendes Bühnen-Duo. Altersmäßig liegen die beiden beinahe zwei Generationen auseinander, es könnten völlig verschiedene Musik-Welten aufeinanderprallen. Aber beide sind Vollblut-Kammermusiker.

Wenn die Argerich, im Wortsinn "mit Links", im Eröffnungssatz von Beethovens Sonate für Klavier und Violine Nr. 8 G-Dur die rollenden Bässe wie kleine Blitze herausstechen lässt, möchte man es nicht glauben: Die Dame ist 79. Daneben Capuçon, 44: In Beethovens Sonate lässt er sich von der Klavierpartnerin eher hineinziehen. Es liegt auch im Wesen dieser Gattung, man sprach damals noch von Klaviersonaten mit Violine.

Aber es war eben nicht so, dass Argerich einen Enkel wie eine gütige Großmutter an der Hand führte: In ihr flackert immer noch schier mädchenhafte Energie auf. Diese Wirkkräfte rissen den mit seidenfeinem Ton zu Werke gehenden Geiger sichtlich mit.

Von anderer Wesensart ist César Francks Gassenhauer schlechthin, die A-Dur-Sonate: Da ist der Geiger zuerst angefragt. Capuçon ist ein Stilist ersten Ranges, er formuliert die Themen so offen wie nur möglich, was Argerich Anknüpfungspunkte sonder Zahl ermöglichte: eine Wiedergabe ganz weit weg vom Schmachtfetzen-Image, der dem Werk eignet. Dazwischen Prokofjews Zweite Sonate D-Dur: durchwachsen, weil die Motorik ebenso ausgespielt sein will wie die melodiösen Angebote "eingefangen", und beides ist in diesen vier Sätzen ganz und gar nicht geradlinig zu habe. Ein Vulkan am Klavier, ein Stilist an der Geige, das war hier das Rezept.