Manchmal macht sogar Christian Thielemann etwas falsch: Am Freitag zur Mittagsstunde, nach der "Romantischen" von Bruckner, hat er die Wiener Philharmoniker eindeutig viel zu früh vom Podium geschickt. Das Publikum war nach dieser Wiedergabe absolut nicht der Meinung, dass des Beifalls schon genug sei.

Zwei Mal also wurde Thielemann auf die nun schon fast musikerlose Bühne des Großen Festspielhauses zurückgeklatscht. Das war redlich verdient so, von ihm und dem Orchester. Gibt es ein Ensemble, dessen Bratschisten ihre Endlos-Melodie im Andante-Satz der Vierten Symphonie zum Pizzikato der Streicherkollegen so sagenhaft betörend rüberbringen? Und gibt es ein anderes Orchester, dessen Hörner - Wiener Hörner eben! - sich derart flauschig, mit dem Bratschentimbre fast verschmelzend, einbringen?

Die Philharmoniker wirken auch am Ende der dritten Festspielwoche noch ausgeruht. Und wenn wir schon von Instrumenten spezifisch Wiener Bauart reden: Das Ende dieses Andante-Satzes, mit der Melodie des Solohornisten und den Pauken-Quarten, suchte an diesem Vormittag auch seinesgleichen. Viel Erhellendes, eben weil Thielemann ganz Ohr schien für diese Angebote des Orchesters.

Vor Bruckner kam Wagner, die "Wesendonck-Lieder" mit Elina Garanča. Merklich ausgeruht auch sie, aber es braucht kaum vokale Kraft, wenn Thielemann kammermusikalische Duftmarken setzt im Orchestersatz von Felix Mottl (Wagners kaum aufgeführtes Original ist für Singstimme und Klavier). "Stille wird’s, ein säuselnd Weben", Geigenvibrati vernehmlich geräuschhaft nahe am Steg: Es sind immer wieder diese Kleinigkeiten, die erkennen lassen, wie nachhaltig sich Thielemann einbringt. Und dazu also die Garanča, souverän die Bögen zeichnend, sorgsam aufs Wort bezogen artikulierend. Wundersam leicht angesteuert, ohne jedes Forcieren, die Hochtöne am Ende jeder Phrase von "Im Treibhaus". Nicht nur da unendlich viel unaufdringliches Charisma.