"Wir spielen für Österreich", steht in stolzen Lettern neben der Freiluft-Bühne von Grafenegg. Das ist nicht so sehr Eigenlob, wie man denken könnte: Der ORF hat den Slogan erfunden, als er im stillen Frühling den Hunger der Klassikgemeinde mit einigen TV-Konzerten linderte. Eine rare Wohltat - damals. Der Sender hält aber auch nun, im zart erwachten Kultursommer, an dem Titel fest, und er stülpte ihn jüngst einer Konzertübertragung von Jonas Kaufmann aus Grafenegg über - wovon die selbstbewussten Buchstaben im Gras noch immer künden.

Am Donnerstag hätte sich dieses Grün aber eher die Worte "Wir spielen die Hits" verdient. Piotr Beczała, Weltmarktführer der Operntenöre, spannte sich im Weinviertel vor das Joch eines Arien-Wald-und-Wiesenprogramms. Gut: Solche Best-of-Abende, Marke "Eine Überdosis Gefühl", sind nicht neu unter der Sonne. Mit den orchestralen Zwischenstücken setzte Grafenegg aber doch eine seltsame Note. Steckte hinter der Kombination von Rossinis "Tell"-Ouvertüre, Mahlers "Blumine" und Tschaikowskis "1812" womöglich eine Art Da-Vinci-Code? Dirigent Sascha Goetzel pflügte mit dem Tonkünstler-Orchester jedenfalls routiniert durch den Schallspeck.

Aber es stand ohnedies Beczała im Fokus, dem das Publikum trotz einer Corona-Schlagzeile treu zugeströmt war (Regisseur Robert Dornhelm hatte das Festival vor einer Woche womöglich infiziert besucht, die Sicherheit sei aber gewährleistet). Beczała bekräftigte dann auch seinen Rang: Keiner verbindet klangliche Rundung so souverän mit dramatischer Stimmspannung wie er. Wo anderen der Ton zerreißt, beginnt seiner erst zu strahlen, das bestätigte Andrea Chéniers Hochdruck-Arie ebenso wie die Turiddu-Bravour aus der "Cavalleria rusticana". Und für "Celeste Aida" mutierte er bruchlos vom Befehlshaber zum Faserschmeichler. Die letzte Attacke auf die Glückshormone wurde mit der prallen Pracht von "Nessun dorma" geritten - und einer Mitsing-Erlaubnis ans Publikum. Bleibt nur ein Wunsch: Man gebe dem Mann wieder eine Oper. Rasch!(irr)