Nach sechs Jahren nehmen die Wiener Symphoniker Abschied von ihrem Chefdirigenten Philippe Jordan. Mit den Worten "prägend" und "beglückend" wird die zu Ende gehende gemeinsame Zeit im Programmheft beschrieben. Produktiv und intensiv war diese künstlerische Zusammenarbeit, was die Auftrittszahlen betrifft, die Reisetätigkeiten, die CD-Produktionen und insbesondere die Vielfalt des in Angriff genommenen Repertoires. Ob Johann Sebastian Bach oder Wolfgang Rihm, Philippe Jordan ist ein stets bestens studierter und immer umsichtig organisierender Orchesterleiter.

Den Richard-Strauss-Abend im Wiener Konzerthaus absolvierte der Dirigent am Dienstag ganz ohne Partituren. Die Wiener Symphoniker widmeten sich der bildhaften Unmittelbarkeit und Plastizität dieser meisterhaft geschriebenen Werke mit leidenschaftlichem Engagement: Auffahrend gleißend ist der Orchesterklang in der Tondichtung "Don Juan" nach Nikolaus Lenau. Gut gelungen auch die sanften Passagen der Komposition mit der Richard Strauss schlagartig bekannt wurde. Stark die Leistung der Bläsergruppe im famosen "Till Eulenspiegel".

Und schließlich überbordende Fülle in der "Rosenkavalier"-Suite bearbeitet von Artur Rodzinksy. Die vorgesehene Aufführung von Gustav Mahlers übergroß dimensionierter "Symphonie der Tausend" musste ob der aktuellen Situation ausfallen. Die schillernden Tonschöpfungen von Richard Strauss sind mehr als eine bloße Alternative. Eines derartigen Anlasses würdig und obendrein ein Verweis auf Philippe Jordans nächsten Karriereschritt: Anfang September tritt er mit Puccinis "Madama Butterfly" das Amt des Musikdirektors der Wiener Staatsoper an. "Rosenkavalier"-Vorstellungen unter seiner Leitung sind im Haus am Ring für Dezember angekündigt. Indes freuen sich die Wiener Symphoniker auf ihren neuen Chefdirigenten Andrés Orozco-Estrada.