Koloraturen sprudelt sie sogar mit Zigarre im Mund - aber wir sind der Sache voraus, das war erst im wahrhaft spendabel angelegten Zugabenblock. Dort führte Cecilia Bartoli am Donnerstag Nachmittag in Salzburg sogar vor, dass jazzelnde "Summertime" (Vocal und Naturtrompete!) in einer Barockarie Platz findet.

Auf die Bühne im Haus für Mozart projiziert: der Zuschauerraum des Teatro San Carlo in Neapel. Für ein Bühnentier wie die Bartoli sind im Ernstfall zwei Theater in einem gerade genug. Bei ihr gelten andere Konfektionsgrößen, und die werden von einem stummen Diener prompt bereitgestellt, in einem Requisitenkoffer. Oft wird sie sich also verkleiden und am Schminktisch Hand an sich legen, während der Instrumentalnummern des mit Verve an die Sache gehenden Originalklangensembles Les Musiciens du Prince-Monaco. Porpora, Händel, Hasse - Arien-Pretiosen sonder Zahl, bemerkenswert viel Langsames, Lyrisches. Nur ausnahmsweise Effekthascherisches. Für ausreichend Zunder sorgten ohnedies die Instrumentalisten: Les Musiciens du Prince-Monaco sind das Leiborchester der Bartoli. Die Solobläser (Traversflöte, Oboe, Trompete) durften sich in Konzerten von Vivaldi und Telemann so recht austoben. Aber eigentlich herausgefordert wurden sie jeweils erst hinterher, wenn Cecilia Bartoli in den Arien sich mit ihnen anlegte. Was sie an geschmeidigen Läufen, an Trillern und anderem Zierrat rausschießt - da müssen sich die Instrumentalisten schon zusammenreißen.

Cecilia Bartoli in wechselnder Verkleidung. - © SF/Marco Borrelli
Cecilia Bartoli in wechselnder Verkleidung. - © SF/Marco Borrelli

"What passion cannot Music raise and quell!" Das ist eine Arie aus Händels "Ode for St. Cecilia’s Day", und genau dies war der Zielpunkt von Cecilias Reise. Um diesen Koffer mit musikalischen Barock-Kostümen zu packen, sind die Bartoli und der Dirigent Gianluca Capuano wohl eine gute Weile lang zusammengesessen. Nicht bloße Arien-Schaustellerei - ein echtes Festspiel!