Erstaunlich, wie ein Werk die Position des Interpreten verändern kann. Am Donnerstag ließ sich dies im Konzerthaus schön beobachten. Anne-Sophie Mutter spielte zunächst Beethovens Streichtrio op. 9/3 gemeinsam mit dem Bratschisten Vladimir Babeshko und dem Cellisten Daniel Müller-Schott (beides Schützlinge ihrer Stiftung). Konzentriert und beschäftigt wirkte die Geigerin, zügig gerieten ihre Einsätze am Beginn der Sätze. Werk und Ausführende entfalteten nach einigen Momenten des Einlebens (Kammermusik im stark abgedunkelten Großen Saal ist nicht alltäglich) Sogwirkung, das Zusammenspiel kam leicht und substanziell zugleich daher. Am interessantesten dabei die Beobachtung von Vladimir Babeshko: Locker in den Beinen, cremig warm im Klang, stets im Kontakt mit den anderen. Ein idealer Mittelsmann zwischen Geige und Cello.

Widmanns Wurf

Anders die Situation bei Jörg Widmanns "Studie über Beethoven" - dem sechsten Streichquartett des Deutschen (als zweite Violine gesellte sich Ye-Eun Choi hinzu), wobei die Widmungsträgerin Anne-Sophie Mutter klar im Fokus steht. Mit Eleganz und Souveränität führte sie durch die halbstündige Komposition. Widmann bleibt im Rahmen der Tonalität, spielt eher damit, lotet aus, dehnt, trübt ein und bietet immer wieder aufklarende Sonnenschein-Momente. Ein erstklassiger Wurf in Anlehnung an Beethovens "Harfenquartett", das dann beim direkt nachfolgenden Konzert auf dem Programm stand. Gerne wäre man noch sitzen geblieben.