Eigentlich hätte Ludwig van Beethoven in diesem Jahr den Ton angeben sollen. Stattdessen bringt nun ein alter Schlager die Stimmung auf den Punkt: "Que sera, sera, whatever will be, will be". Keine drei Wochen ist es her, da sah Musikvereins-Intendant Stephan Pauly seiner ersten Saison hoffnungsfroh entgegen. Die Besucherzahlen seien limitiert, die Gastorchester aber würden weiter in gewohnter Fülle auftreten: Trotz Pandemie (vergleichsweise) ungestörter Betrieb. Doch dann kamen die Reisewarnungen, und damit die Absagen. Weder die Sächsische Staatskapelle noch das Orchester der Santa Cecilia Roma statten dem Goldenen Saal dieser Tage einen Besuch ab. Und wer weiß, was noch kommt - oder eben nicht.

Großes Kino für die Ohren

Die gute Nachricht: Gespielt wird trotzdem mit Niveau. Der Gläserne Saal ist bis Samstag in der "Elektrohand Gottes" von Schauspieler Philipp Hochmair, im Großen Saal halten die Wiener Philharmoniker bis Sonntag täglich Hof: Die Lokalmatadoren arbeitet sich durch pausenlose 70 Minuten unter der Leitung des nimmermüden Herbert Blomstedt. Dessen 93 Jahre waren beim Saisonstart am Donnerstag weder sicht- noch hörbar: Auf den sanften Beginn der "Hebriden"-Ouvertüre folgte regelrechtes Action-Kino für die Ohren. Entsprechend wellenumtost und wuchtig muss Schottlands Fingalshöhle einst auf Mendelsohn Bartholdy gewirkt haben, bevor er sie auf Notenpapier porträtierte. Auch in der "Schottischen Symphonie" nichts zu hören von jener Zuchtpudel-Eleganz, die Mendelssohn gern angekreidet wird. Prinzipiell mit Sinn für Farbnuancen gesegnet, ließ Blomstedt dem Blech die Zügel schießen. Gut: Stellenweise zu generös für einen halb vollen und darum halligen Saal. Zudem: Dem "Kaiser-Walzer", mit feschem Schwung kredenzt, fehlte am Donnerstag noch der noble Feinschliff. Dennoch ein Labsal, so ein Bad in den Schallwellen, und entsprechend bejubelt.