Dass Ludwig van Beethovens "Eroica" mit Napoleon Bonaparte zu tun hat, ist hinlänglich bekannt. Der aufklärerisch gesonnene Komponist widmete seine Dritte Symphonie zunächst dem korsischen General. Doch die Kaiserproklamation Napoleons im Mai 1804 änderte alles. Das Loch, das durch das heftige Ausmerzen auf der Titelseite des Handexemplars entstand - die Musikhandschrift wird im Archiv der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien aufbewahrt -, ist weltberühmt. Der schlussendlich titulierte "grand’uomo" scheint nach jüngeren Forschungen Napoleons Gegenspieler Prinz Louis Ferdinand von Preußen gewesen zu sein.

Einige Schärfen

Für das Publikum steht in erster Linie der erhebende Musikgenuss im Vordergrund. Für diesen sorgten am Donnerstag die Wiener Philharmoniker im Musikverein - mit einer begeisternden Einheitlichkeit in den Streichergruppen (die flauschigen Linien der Kontrabässe seien extra erwähnt), markanten Holzbläsern, bestechendem Blech und einer Richtung gebenden Pauke. In der vorangestellten Dritten Leonoren-Ouvertüre fielen zunächst einige Schärfen im Klang auf, welche sich aber bald glätteten.

Dirigent Herbert Blomstedt, bereits Leiter der vorangegangenen Konzertserie der Philharmoniker im Musikverein, hat mit seinen 93 Jahren natürlich den Zenit seiner körperlichen Darstellungs- und Zugkraft weit überschritten. Sein Inspirationsangebot geschieht mithilfe von geschickt gesetzten Impulsen und einer ausdrucksstarken Mimik. Der Sogwirkung des Kunstwerks entkommt man ohnehin nicht.