Glück im Unglück: Das befürchtete Absagen-Domino aus dem Ausland ist im Musikverein vorerst ausgebliebe. Zwar sind dem Klassiktempel zuletzt Gäste aus Dresden und Rom abhandengekommen. Das Freiburger Barockorchester dürfte am Donnerstag aber vorstellig werden, und Cecilia Bartoli, das ewige Mezzo-Energiebündel aus Rom, hat den Goldenen Saal am Sonntag mit ihrer Barockmusiker-Entourage beehrt - und für ein kollektives Bad in Glückshormonen gesorgt.

Furiose Bühnenshow

Bartolis Abend, schon in Salzburg heuer ein Glanzlicht, ist weniger ein Konzert als eine furiose Show: In 100 atemlosen Minuten arbeitet sich der Weltstar, in den Koloraturen weiterhin flirrend und im Legato lautstärkegeschmeidig, durch die Arien etlicher Barockopern und vollführt dabei zur höheren Ehre der Kastraten einen Reigen der Rollenspiele und Geschlechtswechsel. Mithilfe eines Assistenten und einer Garderobe am Bühnenrand schlüpft Bartoli aus dem Glitzer-Rüschenhemd des Liebhabers in die große Cleopatra-Gala, wechselt von einem Trostgesang zur fulminanten Rachearie (Händels "Mi deride"). Das durchkomponierte Programm vereitelt dabei jegliche Langeweile und lässt während der Umkleidepausen die Musiciens du Prince-Monaco, dieses swingende Barock-Kompetenzzentrum unter der Leitung von Gianluca Capuano, und seine Solisten glänzen.

Die Highlights? Trotz viel Klamauk und Koloraturen das Zeit-anhaltende "Lascia la spina" und die rhetorische Frage "What passion cannot Music raise and quell" mit Händels Gänsehaut-Antwort. Zuletzt Standing Ovations, Jubelgetrampel, Cecilia Bartoli im Glückstaumel.