Auffallend interessant: Mit diesen Worten lässt sich der Auftritt von Johannes Piirto am Dienstag im Wiener Konzerthaus aufs Kürzeste zusammenfassen. Der finnische Pianist spielte anstelle von Hélène Grimaud, die wegen der Corona-Pandemie abgesagt hatte, mit der Camerata Salzburg Mozarts Klavierkonzert d-Moll KV 466.

Der groß gewachsene junge Mann hat in seiner Heimat Klavier, Komposition und Dirigieren studiert. Guten Gewissens kann man hier von einem "kompletten" Musiker sprechen. Piirtos Gesten bei Phrasenabschlüssen zeigen den Dirigenten in ihm, seine Übergaben ans Orchester den Kammermusiker. Im dritten Satz offerierte er eine eigene Kadenz, im ersten hatte sich Piirto für jene von Alfred Brendel entschieden. Warum nicht für die von Beethoven? Warum diese Mischung? Wo hört das Werk auf, wo beginnt die Interpretation? Gedanken, die schon länger nicht mehr aufgetaucht sind nach einem Konzert. Als Zugabe ein Stück von Jean Sibelius als Grußbotschaft aus Piirtos Heimat.

Dynamisches Klangbild

Im zweiten Konzertteil präsentierte die wie schon im September ungemein dynamisch gestaltende Camerata mit Konzertmeister Giovanni Guzzo Beethovens Streichquartett in f-Moll op. 95 in einer selbst erstellten Bearbeitung für Streichorchester. Das "Quartetto serioso" ist eine emotionale Achterbahn, die nicht leicht zu fassen ist. Die eruptiven Stellen gelangen wunderbar; nicht zu 100 Prozent konnten die zarten Passagen überzeugen. Die Übergänge und Satzschlüsse wiederum erklangen in beeindruckender Homogenität.