Seltsam, aber: Der weltberühmte "Donauwalzer" ist in einer tanzmüden Zeit zur Welt gekommen. Die Wiener hatten 1867 nicht nur die politischen Nachwirkungen der Schlacht von Königgrätz zu verwinden. Die heimkehrenden Soldaten brachten die Cholera ins Land und damit eine brandgefährliche Seuche. Statt Faschingslaune im Februar also Todesangst, Abschottung - und reihenweise Ballabsagen. Diese düstere Gemengelage erklärt, warum der "Donauwalzer", zur Premiere von einem Chor angestimmt, den Karneval des Jahres 1867 mit den Worten begrüßte: "Wiener, seid froh! - Ojo, wieso?"

Ans Licht gebracht hat dies nun ein Programmheft der Philharmoniker: Otto Biba, Archivchef des Musikvereins, gestaltet die Texte traditionell für das Orchester und mausert sich dieser Tage zunehmend zum kulturhistorischen Epidemiologen. Das Orchester selbst arbeitete sich am Wochenende klangschön durch zwei Meilensteine aus Paris um 1900. Valery Gergiev, bekannt als Mann der üppigen Schall-Ausschüttung, gestaltete Debussys "Prélude à l’après-midi d’un faune" frappant flaumig, bevor er seinen Mikro-Taktstock in den Dienst von Igor Strawinski stellte.

Wobei: Dessen "Feuervogel" erklang hier nicht in der gewohnten Suite-Form, sondern in der Gestalt des Ballettmusik-Originals - rund 50 Minuten also, die sich ohne Tanz- und Hüpf-Schauwerte recht ausführlich anfühlen können, zumal das Klangbild zu Beginn eher frei von Ohrwürmern bleibt. Dennoch hinreißend, wie wendig sich die Philharmoniker durch den Parcours der rasenden Rhythmen und Schwebeklänge werkten, bevor sie Strawinskis Parademelodien zuletzt zur vollen Wirkung brachten. Jubel im Saal, für den bereits am vorigen Wochenende durchgehend Maskenpflicht galt.