Entsprechend der Kurzformel "Russischer Dirigent = Russische Komponisten" spielten die Symphoniker am Donnerstag im Konzerthaus ein Dreierlei aus Mussorgski, Schostakowitsch und Tschaikowski. Dabei konnte man in der etwas freudlosen, fahrigen Interpretation von Tschaikowskis Vierter unter dem jungen Symphoniker-Debütanten Stanislav Kochanovsky keinen besonderen musikalischen Heimvorteil heraushören. Nur im ersten Satz ließ ein Moment aufmerken: Feines Holzbläser- und Bratschensäuseln versprach kurz einen Nuancenreichtum, der dann nicht eintrat.

Auch Mussorgskis "Nacht auf dem kahlen Berge", eines der großen romantischen Knallbonbons, war nicht ganz der erhoffte Konfettiregen. Immerhin, die Geigen der Symphoniker surrten los wie wütende Hornissen und das Blech plärrte sich, musikalisch stimmig, den Frust von der Seele.

Der Höhepunkt blieb Maxim Vengerov vorbehalten. Seine Einspielung des auch hier gebotenen Ersten Schostakowitsch-Violinkonzerts, 1994 erschienen, ist noch heute die moderne Referenz. Im Konzerthaus bewies er: Alles noch da! Da ist einmal der lederne, durchdringend-schöne Ton und die Gabe, im nach Ausdruck verlangenden ersten Satz aus der Geige alles herauszuzeln zu können. Dabei hat Vengerov auch keine Angst, im grimmigen Mittelsatz sein Instrument wie eine besaitete Thunfischdose klingen zu lassen. Im exponierten dritten Satz mag sich inzwischen ein wenig Rost in die Brillanz gemogelt haben, aber Funken sprühen wie eh und je. Erfahrung, Einsatz und besagte Verve machten es mehr als wett!