Von der Wahl der Zugabe lässt sich einiges ablesen. Anton Weberns "Vier Stücke" op. 7 mögen keine Encore-Stücke par excellence sein. Bei Patricia Kopatchinskaja liegen sie förmlich auf der Hand. Die Geigerin spielt neue(re) Musik mit unnachahmlicher Sinnlichkeit. In ihrer Interpretation klingt Arnold Schönbergs "Phantasy for Violin with Piano Accompaniment" wie ein glühendes Faszinosum. Ob dodekaphone Fantasie oder Sonatenkunst von Ludwig van Beethoven, Kopatchinskaja bringt jedes Werk mit lodernder Leidenschaft zum Klingen, wobei es nie um bloßen Schönklang geht. Fauchig kratzige, überakzentuierte Töne dürfen, ja müssen sein.

Am Anfang der Sonate in c-Moll op. 30/2 mussten sich die Ohren ein wenig eingewöhnen. Wunderbar intensiv gelang der Adagio-Satz mit einem Schlusston, der zu atmen schien. Die Geigerin und Joonas Ahonen am Klavier bildeten ein perfekt aufeinander abgestimmtes Team. Das klangliche Potenzial des finnischen Pianisten kam besonders in Beethovens "Kreutzer-Sonate" zur Geltung.

Zur Unterstützung der jungen Generation hatte Kopatchinskaja die aufstrebende russische Cellistin Anastasia Kobekina ins Konzerthaus eingeladen, die sich mit einem Solostück ihres Vaters Vladimir Kobekin ("A Summer Evening with a Cuckoo") vorstellte und ihre Vielseitigkeit im Duo "Én-Kör" des anwesenden Márton Illés unter Beweis stellte. Ein großartiges Werk, in dem zwei Streichinstrumente aufgebracht miteinander schnattern. Eine herrliche Spielwiese für die Widmungsträgerin Patricia Kopatchinskaja.