Die 33. Ausgabe von Wien Modern ist eröffnet: Das Klangforum Wien und die Titularorganistin der Elbphilharmonie, Iveta Apkalna, waren im Stephansdom mittig platziert, direkt unter dem großen Kreuz, das Publikum saß rundherum. Das sphärisch-klangintensive Programm unter dem Titel "ekstatische Klangarchitekturen" war für den Kirchenraum ideal gewählt: Klaus Lang, selbst Organist, komponierte mit "weißbärtig. mond" ein Solostück, in dem das Publikum von den Schwingungen der tiefen Pfeifen der neuen Riesenorgel regelrecht massiert wird. Ein Cluster-Klangbad für das Apkalna die Tasten der fünfmanualigen Orgel mit kleinen Gewichten fixierte. Zwei Mal ließen die Hornisten Christoph Walder und Julia Pesendorfer mit kurzen Sätzen aus Gérard Griseys "Cor à cor" mit teils unglaublich lebendig und virtuosen Klängen, basierend auf den Naturtönen, den Stephansdom in seiner eindrücklichen Größe spüren. Denn die Dramaturgie des Konzerts und der Wechsel zwischen den Besetzungen macht es aus, dass der akustische Raum als Gestalter miteinbezogen wird. Dies steigert die Wirkung der drei Ensemblestücke, wie Heinz Holligers statisches, klangsinnliches bis ins Unheimliche reichende "Ostinato funebre" und Olivier Messiaens groß besetztes, die gesamte Lautstärke ausreizendes Bläser- und Perkussionsstück "Et expecto resurrectionem mortuorum", die von Sylvain Cambreling mit gewohnter Verve geleitet wurden. Francesco Filidei entwickelt in seiner "Ballata no. 1" mit Orgel, Ensemble und Elektronik einen sphärischen Klangkosmos, der sich zu einem mitreißenden Sog auswächst.