Riccardo Muti steht im Zentrum eines fünfteiligen Dokumentarfilms mit jungen Dirigenten. "Riccardo Muti Academy" heißt die von Timvision produzierte Reality-Doku, die ab 11. Dezember ausgestrahlt wird. Zwei Wochen lang haben Videokameras den Maestro bei den Proben mit seinem Jugendorchester Luigi Cherubini sowie bei der Wahl von vier jungen Dirigenten für die Italian Opera Academy gefilmt, die Muti 2015 in seinem Wohnort, der Adria-Stadt Ravenna, gegründet hat.

Scharfe Kritik an Regierung

"Ich schätze die Jugendlichen, von denen ich harte Arbeit und Opferbereitschaft einfordere, da dies wesentliche Eigenschaften für ihr künstlerisches Schaffen sind", sagte Muti laut der Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera". Der 79-jährige Muti kritisierte, dass die italienische Politik die Kultur sich selbst überlassen habe. "Es gibt wenige Orchester, die Theater sind sich selbst überlassen, die Politik ist abwesend", sagte Muti. Italien fördere seine Talente nicht genug.

Im Dokumentarfilm drückt Muti seine Liebe für die Tonkunst seiner Heimat aus. "Mein Traum ist, dass Zuschauer, die italienische Opernmusik hören, dies mit demselben heiligen Respekt tun, mit dem sie Musik von Wagner, Strauss oder Mozart hören", sagte Muti. Am kommenden Sonntag (29. November) dirigiert Muti im Theater Alighieri in Ravenna das Jugendorchester Luigi Cherubini; das Konzert wird um 11 Uhr auf der Webseite http://www.ravennafestival.live gestreamt. Damit reagiert Muti auf den Kultur-Stillstand in Italien, wo Theater, Opernhäuser und Konzerthallen seit dem 26. Oktober geschlossen sind. Muti soll am 1. Jänner 2021 das Neujahrskonzert in Wien dirigieren. (apa)