Zumindest diese Frage wäre einmal geklärt. Am 1. Jänner wird das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker zwar aus Covid-Gründen ohne Publikum auskommen müssen - aber nicht ganz ohne Beifall. Am Ende der beiden Programmhälften soll der Applaus ausgewählter TV-Seher in den Musikverein übertragen werden, verlautet der ORF. Wer dem Orchester auf diese Art Dank spenden will, kann sich ab sofort auf www.mynewyearsconcert.com registrieren.

Zwar wird diese Datenleitung kaum über die Leere im Saal hinwegtäuschen. Daniel Froschauer, Vorstand des Orchesters, übte sich bei einer virtuellen Pressekonferenz am Donnerstag dennoch in Optimismus. Er freut sich, dass der Traditionstermin überhaupt gespielt werden darf. Und, so Froschauer: "Wir werden ein Neujahrskonzert auf die Beine stellen, das ein hoffnungsvolles Symbol für die Zukunft sendet."

Trotz Krise guter Dinge: Daniel Froschauer. - © apa/Hochmuth
Trotz Krise guter Dinge: Daniel Froschauer. - © apa/Hochmuth

Über die konkrete Gestaltung für die TV-Kameras und die weltweit 30 Millionen Zuseher zerbrechen sich die Musiker und Entscheidungsträger des ORF derzeit den Kopf. Kameraschwenks in den leeren Saal dürften jedenfalls unterbleiben, Momenten peinlicher Stille sollen ebenfalls eher vermieden werden. Froschauer könnte sich vorstellen, mehrere Stücke zu sinnvollen "Bögen" zusammenzufügen.

"Funktioniert seit Frühling"

Hinweise auf die Corona-Pandemie werden sich übrigens nicht im Programm finden. Das Repertoire ist weitgehend schon im Februar mit dem Dirigenten Riccardo Muti fixiert worden. Zwar seien danach noch Änderungen denkbar gewesen. Sie seien aber unterblieben angesichts des wachsenden Optimismus gegenüber der Pandemie. So wird Muti am 1. Jänner also einen Ohrwurm-Reigen leiten, der von Franz von Suppès "Fatinitza-Marsch" über die Josef-Strauß-Polka "Ohne Sorgen" bis zum "Kaiserwalzer" reicht. Dass die Akustik des Goldenen Musikvereinssaals ohne Publikum mehr Hall produziert, sei kein Problem für die Musiker.

Was aber, wenn ein Cluster die Pläne torpediert? Froschauer ist hoffnungsfroh: "Wir hatten bis jetzt keinen Cluster, und wenn es einen Einzelfall gab, dann durften die K1-Personen nicht spielen. Wir beweisen seit Frühling, dass es funktioniert", sagt er über den Orchesterbetrieb unter Seuchenbedingungen. Das Ensemble unterzieht sich regelmäßigen Tests, das Weihnachtsfest werde er selbst "im engsten Rahmen feiern" und rechnet auch seitens der Kollegen mit diesem Verhalten. Ebenfalls hilfreich: Die Musiker des Neujahrskonzerts werden von jenen Philharmonikern getrennt, die im Graben der Wiener Staatsoper eine Handvoll Aufführungen für TV-Kameras begleiten - Veranstaltungen, die ebenfalls ohne Publikum stattfinden und im Dezember und Jänner im ORF ausgestrahlt werden.

Für das nächste Jahr hoffen die Philharmoniker jedenfalls wieder auf Normalbetrieb - auch deshalb, um gemeinsam mit Riccardo Muti dessen 80. Geburtstag auf etlichen Bühnen zu zelebrieren.

Und wie geht es dem Orchester finanziell? Geschäftsführer Michael Bladerer spricht von einem Riesenverlust, ohne diesen zu beziffern. Im Frühling wurden jedenfalls 35 Konzerte gestrichen, bei der Asien-Tour zuletzt zehn, und dieser Tage entfallen die Einnahmen für neun weitere Konzerte unter der Leitung von Christian Thielemann und Zubin Mehta.

Froschauer versucht dennoch, der Lage etwas Positives abzugewinnen: Man wisse zwar derzeit nicht, was in der nächsten Woche passiert. "Diese Flexibilität ist aber auch etwas, das fit hält."