Und dann passiert es einem wirklich - dass man mutterseelenallein in den Bildschirm hineinklatscht. Vielleicht ja deshalb, weil man aus dem Konzert so konditioniert ist. Vielleicht auch, weil man nun beim Stream die Stille zwischen den Stücken übertünchen will. Mit Sicherheit aber, weil einem das Janoska Ensemble den Beifall aus den Händen reißt. Die Brüder Ondrej, Frantiek und Roman Jánoka aus Bratislava und ihr Schwager Julius Darvas sind gewissermaßen das A-Team unter den Allround-Virtuosen. Die vier Herren an Kontrabass, Klavier und zwei Geigen lassen sich ihre Lust an der Spielfreude nicht durch Genre-Grenzen schmälern. Ob Klassik, Salonmusik oder Jazz: Die Janoskas sind in allen Sprachen wortmächtig und berauschen sich am steten Stil-Wechsel. Da prallt dann Springbogen-Ekstase auf Kuba-Klavier, barocker Kontrapunkt auf Stéphane-Grappelli-Swing - Stilbruch als Stil. Oder "Janoska-Style", wie es musikerseitig heißt.

Diese bunte Notenflut ist derzeit jedenfalls hochwillkommen. Bis 7. Jänner dürfen Musikveranstalter kein Publikum empfangen - erlaubt sind nur "Geisterspiele", wie sie nun auch das Konzerthaus ausrichtet: Rund 45 Minuten bespielt eine erprobte Größe den verwaisten Großen Saal, an jedem Donnerstag wird ein Mitschnitt auf konzertzuhaus.at freigeschaltet.

Diese 45 Minuten erweisen sich im Fall der Janoskas als Raumwunder: Das Best-of-Programm beinhaltet luftigen Bach ("Air") ebenso wie kremigen Tschaikowski, karibische Sonnigkeit und eine "Mondscheinsonate" im Mix mit Cole Porters "Night And Day". Schade zwar, dass die Ausstrahlung nicht live erfolgt. Dafür bietet sich die Gelegenheit, bei halsbrecherischen Stil-Stunts zurückzuspulen.