Skifahren erlaubt, Konzertgehen verboten: Es entbehrt angesichts dieser Rechtslage nicht einer gewissen Ironie, dass die Wiener Philharmoniker am Wochenende just die "Alpensinfonie" in einem menschenleeren Musikverein spielten. Natürlich: Das Orchester erstellt seine Programme Jahre im Voraus, nicht als spontanen Kommentar zum Zeitgeschehen. Als am Sonntagmorgen das Blech einen musikalischen Sonnenaufgang gleißen ließ, die Streicher Starkregen mimten und das Orchester nur so schwelgte im alpinen Klanggemälde von Richard Strauss, konnte man sich gleichwohl des Eindrucks nicht erwehren, die Musiker würden sich dabei nach einem freundlichen Spielort fernab der Großstadt sehnen - einem Ort, an dem ein gewisses Kundenaufkommen keine Sünd’ ist.

"Wir spielen - auch für uns"

Immerhin: Das Konzert, begonnen mit einer aufwühlenden "Verklärten Nacht" von Arnold Schönberg (Orchesterfassung), fand bei Ö1 sowie beim Streamingdienst Fidelio Aufnahme und soll im Frühjahr ORF III erreichen. Zudem: Es war ein würdiger Einstand für Philippe Jordan, Musikdirektor der Staatsoper, im Allerheiligsten der Philharmoniker, also in ihrem Abo-Zyklus - wenn auch ohne Abonnenten im Saal.

Nur ein Grüppchen Kritiker, vor Beginn getestet und maskiert, war zugelassen und erhielt in der Pause Auskunft über den vagen Stand der Dinge: Der Wille zum Weiterspielen sei da, die Situation aber unwägbar, sagte Daniel Froschauer, Vorstand des hochtourig getesteten Klangkörpers. Die Februar-Termine mit Gustavo Dudamel seien vorerst aufrecht, der Bruckner-Zyklus mit Christian Thielemann werde auf DVD und CD erscheinen. Im nächsten Jahr möchten die Philharmoniker ihre Zusammenarbeit mit Dirigenten der jüngeren Generation steigern, darunter Alain Altinoglu und Jakub Hrůša, der Komponist Thomas Adès soll am Pult des Orchesters debütieren. In der aktuellen Krisensituation gehe es nicht zuletzt darum, das eigenen Niveau zu halten: "Wir spielen - auch für uns."