Die Duldsamkeit wächst in diesen Tagen - jedenfalls unter Intendanten. Was sie früher in eine Daseinskrise gestürzt hätte, quittieren sie heute mit einem Schulterzucken. Die Hälfte des Festivals fällt aus? Nun, ist es eben so. Das Publikum darf ebenfalls nicht kommen? Tja, auch diese bittere Pille muss man schlucken. Bleiben immerhin ein paar Auftritte, die per Fernsehen und Internet an ihre Kundschaft gelangen und damit ein Lebenszeichen in die Welt senden, trösten sich die Planer.

Solche Gedanken begleiten wohl auch Rolando Villazón. Der mexikanische Tenor leitet seit 2017 die Salzburger Mozartwoche, die Planung der heurigen Ausgabe ist zur Sisyphusarbeit geraten: In der Vorwoche stellte Villazón bereits zum dritten Mal ein adaptiertes Programm vor. Aufgrund der Lockdown-Regeln ist der Spielplan abermals geschrumpft und muss nun ganz auf Live-Publikum verzichten. Seinen Humor lässt sich der ehemalige Bühnenpartner von Anna Netrebko freilich nicht nehmen: "Ich bin glücklich, heute meinen Plan F präsentieren zu können", scherzte Villazón vor Pressevertretern. Und er will sich von den Unbilden auch die Festspiellaune nicht verderben lassen: "Wir wollen mit voller Freude das mozartianische Licht bringen. Das brauchen wir jetzt, und wir bringen es zu euch allen."

Starglanz für den Bildschirm

Am Mittwoch startet das Festival jedenfalls und will bis 31. Jänner zehn Konzert-Programme realisieren. Opern und andere Großprojekte verbieten sich aus Covid-Gründen, die Gesamtkosten belaufen sich auf nur rund 20 Prozent des Üblichen.

Wo die verbliebenen Termine zu sehen sind? Glück im Unglück: Der Staatsfunk nimmt sich des gerupften Festivals an und überträgt Filetstücke auf ORF III und Ö1. Zudem springt der Streamingdienst Fidelio in die Bresche und bietet sämtliche Veranstaltungen als Live-Übertragungen zum Aktionspreis auf www.myfidelio.at.

Beginnen wird der Programmreigen mit einer überraschenden Petitesse, nämlich 94 Sekunden "neuem Mozart": Das bisher unbekannte Klavierstück wird vom koreanischen Pianisten Seong-Jin Cho vorgestellt und mit einigen Wort- und Klangspenden umrahmt. Beim anschließenden Eröffnungskonzert (live auf Arte Concert) stellt Villazón seine Stimme in den Dienst des Genius loci und wird dabei von Bassbariton Luca Pisaroni und dem Mozarteumorchester unterstützt.

Einigen Glamour beschert auch der Abschlusstag: Daniel Barenboim wird einerseits mit Martha Argerich vierhändig am Klavier sitzen, andererseits als Dirigent die Wiener Philharmoniker leiten und dabei die Mezzo-Sopranistin Cecilia Bartoli begleiten, die einige Mozart-Arien vorträgt - darunter auch einen musikalischen Hoffnungsschimmer namens "Non temer, amato bene", auf Deutsch also: Fürchte dich nicht, Geliebter.