Gesegnet das Festival, das in Corona-Zeiten einen Intendanten wie Rolando Villazón hat. Mit dem Tonfall eines Zirkusdirektors und dem Charme eines Komödianten macht er im Alleingang glauben, im Großen Mozarteum-Saal würde der Bär steppen - obwohl die Reihen aus Corona-Gründen gründlich verwaist sind. "Los geht’s, vámonos!", beendet er am Mittwoch seine Eröffnungsrede für die Salzburger Mozartwoche. Die wurde zwar auf zehn Konzerte gestutzt und ist nur über Streamingportale und einige ORF-Übertragungen zugänglich. Doch immerhin: Das Festival konnte nach Villazóns Donnerworten mit einer veritablen Sensation starten, nämlich einem neuentdeckten Stück des Namenspatrons: 94 Musiksekunden, vorgestellt von Pianist Seong-Jin Cho.

Freilich verschießt man sein bestes Pulver nicht zu Beginn, und so durfte der Südkoreaner seine Kunst erst an einem alten Repertoire-Bekannten beweisen. Hut ab: Cho lässt Mozarts Notenketten glasklar perlen, verleiht der Sonate KV 332 aber auch dosierte Kernigkeit und Romantik. Nach zwei Mozart-Kuriosa im Gefolge (darunter eine gewisse "Pimpinella") ist man schließlich bei der Hauptattraktion angelangt, dem Allegro in D-Dur, KV 626b/16. Mozart dürfte es als 17-Jähriger flüchtig notiert haben, doziert Ulrich Leisinger, wissenschaftlicher Leiter der Stiftung Mozarteum, vorab. Hat Leisinger das Papier in einem alten Buch gefunden oder gar in einem Schloss?, will Villazón von "Ulli" wissen. Mitnichten: Ein Anruf aus London habe das Mozarteum ereilt, das Institut entsandte sogleich Experten und kaufte danach das Blatt.

Letzteres wird die Mozartwelt nicht aus den Angeln heben, ist aber putzig anzuhören. Und es frappiert anfangs sogar ein wenig. Erst nach ein paar Sekunden gibt sich der 3/4-Takt klar zu erkennen; danach arbeitet sich Mozart mit routinierter Zierlichkeit dem Ende entgegen. Die Chancen stehen freilich nicht schlecht, dass er damit einen späten Hit landet: DG bringt das Allegro unter dem Namen "Ninety-Four Seconds of New Mozart" als Single heraus.