Ein Klavier, eine Geige, ein Cello - gemeinsam Balsam für die Ohren. Für Komponisten ist das aber eine heikle Sache. Wie stellt man es an, dass in einem Klaviertrio kein Instrument im Schatten steht? Das Problem: Während ein Pianist aus dem Vollen schöpfen kann (zwei Hände, 88 Tasten!), sind der Klangfülle der Streicher engere Grenzen gesetzt. Es ist Köpfchen gefragt, um hier tönende Ausgewogenheit herzustellen, gewissermaßen "Musical Correctness". Etwa, indem man die Melodielinie mal diesem, mal jenem Spieler zuschanzt oder die Stimmen kunstvoll verwebt. Gerade in dieser Herausforderung liegt aber natürlich auch ein gewisser Reiz - und das ist wohl ein Grund, warum das Klaviertrio die Tonsetzer bis heute anzieht (wie den Briten Martin Keary, der dem Fach unter seinem YouTube-Pseudonym Tantacrul ein pfiffiges Video gewidmet hat).

Das heimische Schwarzenberg Trio hat nun drei ganz unterschiedliche Genrewerke eingespielt, und zwar aus der Feder von Ludwig van Beethoven, Felix Mendelssohn Bartholdy und Werner Pirchner.

Pirchner? Er sticht schon durch seine Lebensdaten hervor (1940-2001), und freilich auch durch seine Umtriebigkeit. Als Vibraphonist hat er die Jazzwelt gemeinsam mit dem Gitarristen Harry Pepl aufgemischt (bis zum Festival von Montreux), als Notensetzer in der Klassik Spuren hinterlassen. Dabei ist er weder auf der Parteilinie der Avantgarde noch der Konservativen marschiert: Seine Partituren machen einen tonalen Eindruck, wirken aber impulsiv aufs Papier geworfen und treiben ein hintersinniges Spiel mit Traditionen. Das gilt auch für sein Trio "Heimat?", das auf der Bühnenmusik für Felix Mitterers Nazi-Drama "Kein schöner Land" basiert. Wohlige Bergweltklänge treffen auf bissige Jazzharmonik, zuletzt setzt ein Halbschluss Haydn’scher Fröhlichkeit ein Ende - da ist Ironie an Bord. Für sich genommen, besitzen Pirchners Klanggesten aber einen vitalisierenden Effekt.

Schwarzenberg Trio Beethoven, Pirchner,Mendelssohn (Quinton)
Schwarzenberg Trio Beethoven, Pirchner,Mendelssohn (Quinton)

Überhaupt geht von diesem Album eine belebende Wirkung aus, und darum sei es hier als Gegengift zum grassierenden Corona-Stimmungstief empfohlen. Beethovens frühes Es-Dur-Trio, überhaupt sein op. 1/1, erquickt mit Frühlingsfrische und einem fast schon swingenden Scherzo. Und das op. 49 von Mendelssohn? Steht zwar in d-Moll, ist dennoch ein Gemütsaufheller: Die schwelgerischen Melodien, das Gänsehaut-Andante (Schlussminute!) und das flockige Finale fegen selbst bleierne Existenzsorgen fort. Wobei dies natürlich auch an der Leichtfüßigkeit, der federnden Rhythmik und am kompakten Zusammenspiel des Schwarzenberg Trios liegt.

Daniel Lozakovich, Valery Gergiev Beethoven:Violin Concerto (DG)
Daniel Lozakovich, Valery Gergiev Beethoven:Violin Concerto (DG)

Ob es nötig war, Beethovens Violinkonzert ein weiteres Mal aufzunehmen? Pultstar Valery Gergiev, die Münchner Philharmoniker und Junggeiger Daniel Lozakovich entlocken dem Evergreen keine unbekannten Klangfarben, bescheren aber Hörvergnügen. Routinier Gergiev bürgt für Schmiss und Schmackes, ohne ins Grobe zu verfallen, Lozakovich glänzt als Feingeist im Zentrum: Technisch unanfechtbar, bringt er seinen grazilen Ton im Luxbereich einer Anne-Sophie Mutter zum Leuchten. Einziger Kritikpunkt: Dass an das Riesenstück eine Mini-Bach-Violin-Zugabe drangepappt wird, wie man das aus der fantasielosen Praxis im Konzertsaal kennt. Andererseits: Wer war dort schon in den Vormonaten?