Ein Violinkonzert und wenig sonst: So lässt sich das Schaffen von Max Bruch (1838-1920) beschreiben - zumindest der Teil davon, mit dem sich der deutsche Komponist auf den Spielplänen hält. Das verbitterte ihn dermaßen, dass er sich zu einem der berühmt-berüchtigten Misanthropen entwickelte. Als Erzkonservativer bekämpfte er Franz Liszt und Richard Wagner und neidete Richard Strauss die Erfolge - vielleicht auch die überragende Begabung. Neben dem Violinkonzert taucht lediglich das "Kol Nidrei" für Cello und Orchester auf, von den Nationalsozialisten wegen des Bezugs zur jüdischen Liturgie wutschnaubend unterdrückt, obwohl Bruch selbst kein Jude war. 1990 schaffte er es als Steinfigur auf den Turm des Kölner Rathauses. Solche Ehren werden nicht einmal weit bedeutenderen Komponisten zuteil.

Bruchs Stil steht von seinen ersten Werken an fest und ändert sich nicht mehr: Felix Mendelssohn-Bartholdy und Johannes Brahms sind die tragenden Säulen. Sehr deutsch mutet das in seiner soliden Handwerklichkeit an: Die vollklingende Harmonik stützt schön erfundene Melodien, was abgeht, ist ein eigener Charakter, die Fantasie, auch aus konservativen Ingredienzen kraft der Persönlichkeit etwas Neues zu machen.

Max Bruch Lieder
Max Bruch Lieder

Das spürt man auch in den Liedern, die nun bei cpo vorliegen. Und doch ist es eine Freude, diese Stücke zu hören. Bei manchen gesellen sich eine zweite Stimme und eine Violine hinzu, was die Stücke als typische Hausmusik der Zeit ausweist.

Die Einspielung ist fulminant: Hauptbeteiligte sind Rafael Fingerlos (Bariton) und Sascha El Mouissi (Klavier), weitere Interpreten sind Cornelia Zink (Sopran), Magdalena Rüker (Mezzosopran), Bernhard Berchtold (Tenor), Benjamin Herzl (Violine): Hinreißend musiziert ist das alles und wohl wert, gehört zu werden.

Ottorino Respighi Pini di Roma u.a.
Ottorino Respighi Pini di Roma u.a.

So deutsch Bruch wirkt, so italienisch ist Ottorino Respighi: In seiner Musik glüht die südliche Sonne. Sein Klang ist durchzogen vom Duft nach Oregano und Bougainvillea. Klassizität und Rausch der Schönheit halten einander in Balance. Vor allem Rom vergangener Zeiten hat es ihm angetan, er beschwört seine Plätze, seine Brunnen und Feste und Kunstwerke.

"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Edwin Baumgartner.
"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Edwin Baumgartner.

Es ist nahezu ein Jammer, dass Riccardo Chailly auf seiner neuen Respighi-CD das römische Triptychon unvollendet lässt: "Pini" und "Fontane" sind vorhanden, nicht aber die "Feste" - schlägt da wieder das Vorurteil zu, Respighi habe sich einer gewissen Vulgarität ergeben? Als ob Volksfeste (auch italienische) keinen Hang dazu hätten. Und wer hat jemals Christen effektvoller von Löwen fressen lassen als Respighi bei der Klangschilderung einer römischen Arena?

Chailly jedenfalls führt die beiden Orchesterzyklen mit der prächtig musizierenden Filarmonica della Scala ebenso zu atemberaubenden Klangexzessen wie zu fein nuanciertem Farbenspiel. Eine "Aria", "Leggenda", "Di sera" sind kleine Ergänzungsstücke von eigenem Reiz. Gewichtiger sind "Antiche danze ed arie per liuto" - leider auch hier beschränkt auf die dritte Suite. Die Aufnahmen sind dermaßen beglückend, dass man auf Einspielungen der "Feste" und der beiden anderen Suiten alter Tänze hofft. Eine CD, von der man nicht genug kriegt!