Christa Ludwig, am 16. März 1928 in Berlin geboren, entstammt einem musikalischen Elternhaus: Ihr Vater Anton Ludwig war Sänger und Opernintendant, ihre Mutter Eugenie Besalla-Ludwig war Altistin und Gesangspädagogin und Christa Ludwigs einzige Gesangslehrerin. Im Elternhaus war öfter der junge Herbert von Karajan zu Gast, der später einer der drei Dirigenten sein sollte, die Christa Ludwig als für sich prägend bezeichnete. Die anderen beiden waren Karl Böhm und Leonard Bernstein.

Von 1957 bis 1970 war sie mit dem Sänger Walter Berry (1929–2000) verheiratet, mit dem sie einen Sohn hatte. 1972 heiratete sie den französischen Schauspieler und Regisseur Paul-Émile Deiber (1925–2011). Sie lebte in Klosterneuburg.

Die Opernsängerin

Christa Ludwig debütierte im Alter von nur 17 Jahren in Gießen. Schon ein Jahr später wechselte sie an die Oper Frankfurt, wurde von dort nach Darmstadt und Hannover engagiert; schließlich verpflichtete sie der damalige Staatsoperndirektor Karl Böhm 1955 an die Wiener Staatsoper.

Das Haus am Ring wurde damit, ungeachtet der internationalen Karriere, zum Zentrum ihrer künstlerischen Aktivitäten. Insgesamt war sie in 769 Staatsopern-Vorstellungen in 42 Rollen zu erleben. Sie deckte dabei nahezu das gesamte Mezzosopran-Repertoire ab. Die mühelose Höhe ihrer Stimme ermöglichte ihr obendrein Ausflüge ins Sopran-Fach. So sang sie die Marie in Alban Bergs "Wozzeck" und unter Karajan die Leonore in Ludwig van Beethovens "Fidelio". Sie war eine gefeierte Interpretin der Mozart- und Richard-Strauss-Opern ebenso wie der Werke Richard Wagners. Die mehrfach, unter anderem auch von Karajan, an sie herangetragene Bitte, die Brünnhilde im "Ring des Nibelungen" zu übernehmen, wies Christa Ludwig freilich zurück. Lediglich im Konzert sang sie, etwa unter der Leitung von Hans Knappertsbusch, Brünnhildes Abschied aus der "Götterdämmerung".

Meilensteine ihrer Rollengestaltung waren aber vor allem Octavian und später Marschallin in Strauss‘ "Rosenkavalier", Kundry in Wagners "Parsifal" und die Dorabella in Mozarts "Cosí fan tutte", die auch ihre am häufigsten gesungene Rolle war. Obwohl sie auch im italienischen Fach, etwa den Giuseppe-Verdi glänzte, waren es doch vor allem die Rollen der Mozart-, Wagner- und Richard-Strauss-Opern, mit denen Christa Ludwig im Gedächtnis bleibt, und von diesen ganz speziell mit der expressionistisch durchgestalteten Klytämnestra in Strauss‘ "Elektra". In dieser Rolle, die zu ihren besten gehörte, nahm sie am 14. Dezember 1994 an der Wiener Staatsoper Abschied von der Bühne.

Christa Ludwig war zu Beginn ihrer Karriere im Konzertsaal eine gefragte Interpretin Neuer Musik. So interpretierte sie Werke von Luigi Dallapiccola, Pierre Boulez und Luigi Nono. Ihre sichere Intonation und rhythmische Standfestigkeit kamen dabei den Werken ebenso zugute wie die klangliche Schönheit der Stimme und die deutliche Artikulation des Textes. Diese Vorzüge und eine außerordentliche schauspielerische Begabung der Sängerin kamen auch Rolf Liebermanns Oper "Die Schule der Frauen" zugute.

Gottfried von Einems "Alte Dame" war dann sozusagen als Star-Vehikel für die Sängerin gedacht, die bei der Uraufführung mit 43 Jahren eine sehr junge alte Dame war, aber die Rolle während ihrer ganzen Karriere behielt. Die Intensität, mit der sie die Rolle der Claire Zachanassian zwischen pervertierter Liebe und kalter Bösartigkeit erfüllte, kann als Höhepunkt der Operngeschichte gelten und war auch bei Wiederaufnahmen umjubelt.

Im Konzertsaal

Eine andere Alte Dame trug Christa Ludwig den Ruf einer begnadeten Komödiantin ein, nämlich die Old Lady in der semi-konzertanten Aufführung und Aufzeichnung von Leonard Bernsteins Operette "Candide" unter der Leitung des Komponisten.

Überhaupt gestaltete sich die Zusammenarbeit von Christa Ludwig und Bernstein als fruchtbar, denn die Mezzosopranistin verfügte wie kaum eine andere Sängerin über die Gabe, Gustav Mahlers endlos scheinende Legati der Vokallinie tatsächlich zu realisieren. Der "Abschied" in seinem "Lied von der Erde" fand in ihr eine unvergleichliche Interpretin.

Überhaupt war Christa Ludwig eine Liedinterpretin von beispiellosem Format. Ihre Textausdeutungen kamen denen von Schauspielerinnen gleich. Die Vokallinie war, obwohl von vollendeter Schönheit der musikalischen Phrasierung, eine überhöhte Deklamation, die Aussprache zum Mitschreiben deutlich.

Dementsprechend sagte Otto Schenk über sie: "Bei Christa Ludwig ging es direkt vom Herzen, vom Gehirn zu den Stimmbändern, sodass man nicht sagen konnte, ob sie gerade singt, oder fühlt oder redet. Das war alles ein einziger Mikrokosmos."