Nach einem mehr als sechsmonatigen Stillstand der Theater feierte Italien seinen Kultur-Neustart mit einem doppelten Konzert der Wiener Philharmoniker unter dem Dirigenten Riccardo Muti in der Stadt des italienischen Nationaldichters Dante Alighieri in Ravenna. Insgesamt 500 Zuschauer waren Sonntagabend bei den beiden Konzerten, die ersten einer dreitägigen Tour der Philharmoniker in Italien mit weiteren Etappen in Florenz und Mailand.

Fünf Monate nach dem Neujahrskonzert im Wiener Musikverein traten Muti und die Philharmoniker wieder zusammen auf, Orchester und Dirigent feiern heuer das 50. Jubiläum ihrer Zusammenarbeit. Der Ravenna-Auftritt war das erste Konzert des Ensembles mit Zuschauern in diesem Jahr. Strenge Vorkehrungen wurden im Theater Alighieri ergriffen, um den coronabedingt notwendigen Abstand sicherzustellen.

Mit "Kaiserwalzer"

Aufgeführt wurden bei beiden Konzerte Mendelssohn Bartholdys "Meeresstille und glückliche Fahrt". Beim ersten Konzert dirigierte Muti Schumanns Vierte Symphonie, beim zweiten Brahms' Zweite. Beide Auftritte endeten mit dem "Kaiserwalzer" von Strauß, der Wiener Flair in die Adria-Stadt brachte und von den Zuschauern mit Begeisterung aufgenommen wurde. "Wir haben uns für zwei Konzerte an einem Abend entschlossen, um mehr Menschen die Möglichkeit zu geben, daran teilzunehmen", sagte Antonio De Rosa, Intendant des Ravenna Festivals.

"Die Beziehung zwischen den Wiener Philharmonikern und Muti ist enger denn je, und diese beiden Konzerte bezeugen das auf ganz evidente Weise. Nach einem langen Stillstand der Theater in Italien ist dies für uns der Abend der Hoffnung. Wir hätten nicht besser in die neue Saison starten können", sagte De Rosa. Bereits zum elften Mal traten die Wiener Philharmoniker beim Ravenna-Festival auf, das dieses Jahr zum 32. Mal stattfindet.

Dante im Festival-Fokus

Dank der engen Verbindung zu Muti sind die Wiener Philharmoniker das ausländische Orchester, das am häufigsten beim Ravenna-Festival aufgetreten ist. Erstmals hatten sich die Wiener Philharmoniker 1992 an dem Veranstaltungsreigen beteiligt. Die heurige Ausgabe des Ravenna Festivals steht im Zeichen von Dante Alighieri anlässlich des 700. Todestags von Italiens Nationaldichter. Dante, der als "Vater" der italienischen Sprache gilt, ist in Ravenna gestorben, hier befindet sich auch sein Grab.

Das Ravenna-Festival, das bis zum 31. Juli läuft, gab Kompositionen in Auftrag, die Dantes Meisterwerk "Die göttliche Komödie" aufgreifen. Am 4. Juli ist ein Konzert Mutis geplant, bei dem "Purgatorio" (Fegefeuer) des armenischen Komponisten Tigran Mansurian Premiere feiern soll. Das Werk ist vom zweiten Teil der "Göttliche Komödie" inspiriert. Beauftragt wurden auch weitere Kompositionen, angelehnt an Dantes "Hölle" und "Paradies", den weiteren Teilen der "Göttlichen Komödie".

Nach den beiden Konzerten in Ravenna treten die Wiener Philharmoniker und Muti am Montagabend im Theater Maggio Musicale Fiorentino in Florenz auf. Das Theater steht unter der Leitung von Intendant Alexander Pereira. Am Dienstagabend sind Muti und die Philharmoniker dann in Dominique Meyers Teatro alla Scala in Mailand zu erleben. (apa)