Ein Schlusston, gemacht für die Ewigkeit: Jonas Kaufmann ließ am Ende von Franz Liszts Heine-Vertonung "Die Loreley" seine unverkennbare Stimme über die Reihen im Großen Saal des Wiener Konzerthauses strömen.

Gerade sind die Tore der Kulturinstitutionen aufgegangen, schon durfte sich das treue Publikum auf den charmanten Tenor freuen. Dementsprechend langanhaltend fiel der Auftrittsapplaus für Jonas Kaufmann und seinen Pianisten Helmut Deutsch aus. Die beiden begannen den Abend mit Friedrich Schillers Ballade "Die Bürgschaft", von Franz Schubert in Musik gesetzt. Danach folgten Robert Schumanns "Fünf Lieder op. 40". Es mag am Entwöhntsein liegen oder an den gar so hohen Erwartungen nach dem Staatsopern-"Parsifal" mit Kaufmann in der Titelrolle: Gemüt und Ohr wären bereit gewesen für ein höheres Maß an Emphase und Dramatik. Schillers außergewöhnlicher Text könnte noch emotionaler und zwingender klingen. Auch Robert Schumanns "Der Soldat" (nach Adelbert von Chamisso) ließe eine straffere Deutung zu. Natürlich ist das Ganze eine Geschmacksfrage. Spürbar höher war der Intensitätsgrad bei den präsentierten Liedern von Franz Liszt. Packend und mitreißend kamen "Vergiftet sind meine Lieder" nach Heinrich Heine und "O lieb, solang du lieben kannst" nach Ferdinand Freiligrath über die Rampe. Wunderschön gelang "Ihr Glocken von Marling" auf ein Gedicht von Emil Kuh: Stimme und Klavier zauberten hier Schlüsse voll konzentrierter Spannung und bemerkenswerter Zentriertheit.

Helmut Deutsch eröffnete unterschiedliche Klangwelten und füllte diese mit allerlei Farben. Letztendlich vier Zugaben als großzügiges Geschenk, darunter eine magische "Mondnacht" von Robert Schumann, die noch lange nachklingen wird.