Nachdem der Musikverein am Mittwoch mit dem Gustav Mahler Jugendorchester die halbjährige Corona-Zwangspause beendet hatte, saß am Donnerstag Daniel Barenboim am Klavier im Goldenen Saal. Mittlerweile zählt der renommierte Pianist und Dirigent 78 Jahre, steckt aber weiterhin voller Tatendrang. Alle 32 Beethoven-Sonaten wird er in diesem Jahr spielen.

Forsche Stimmungswechsel

Die ersten vier (op. 2 Nr. 1 bis 3 und op. 7) hat Barenboim hiermit abgehandelt - und zwar über weite Strecken im wörtlichen Sinne. Tatsächlich wirkt er lustlos, was angesichts der aktuellen Situation doch überrascht. Zwar bleibt die Schönheit der Sonaten einigermaßen erhalten: Immer wieder blitzt auch der Zauber des Großmeisters durch, etwa in den abrupten Stimmungswechseln, von ganz laut und mächtig zu ganz leise und zärtlich. Da ist viel Kraft im Spiel, in die sanften Passagen legt Barenboim nicht zu viel Pathos (op. 2/1). Seine Interpretation lebt von forschen Stimmungswechseln. Doch wird man etwa in der C-Dur-Sonate den Eindruck nicht los, dass er sich durchkämpft.

Nach einer kurzen Pause, die er sich und dem Publikum gönnt, versucht er mit einer umso brachialeren Es-Dur-Sonate noch eines draufzulegen. Ein Abend, der zeigt, dass man nicht immer gewinnt, wenn man auf die immer gleichen Pferde setzt.