Der Abend steht ganz im Zeichen der Doppelung. Da sind die Schwestern Labèque, jede an ihrem Steinway, im selben anachronistisch anmutenden, nicht ganz unedlen Outfit. Da ist das Konzert für zwei Klaviere und Orchester des Komponisten Bryce Dessner (geboren 1976), den man vielleicht aus der ein oder anderen Filmmusik kennt ("The Revenant") und als Mitglied der Rockband The National.

Rhythmusbetont und musterreich sind die Melodien, die vom Klavier vorgegeben werden, um vom Orchester aufgegriffen und ausgebreitet zu werden. Immer wieder wandert ein Motiv durch die Reihen der Musiker, von einem Klavier zum nächsten, zu den Bläsern zu den Geigen, wird herumgereicht wie der Klingelbeutel in der Kirche. Und auch hier, in diesem Pop, Minimal Music und Neue Musik vereinenden Konzert Dessners, kommt andächtige Stimmung auf. Etwa wenn im zweiten Satz ein Klavier beginnt, einen Puls in die Tasten zu hämmern, der vom Xylophon übernommen wird, um schließlich von den Geigen auf ein dramatisches Niveau gehoben zu werden. Die Schwestern Labèque, bekannt für ihre Synchronizität, schwingen mit dem Orchester und sorgen für Gänsehautmomente.

Schottisches in matter Farbe

Maestro Semyon Bychkov leitet die Tschechische Philharmonie, die unter seinem Dirigat anschließend die Dritte Symphonie Mendelssohn Bartholdys in matten Farben zeichnet - was der "Schottischen" guttut. Denn wo schon Pathos ist, muss man nicht noch drauflegen. Jubel im Publikum.