Charmant leitete Diana Damrau von ihren kurzen Begrüßungsworten zum ersten Lied über: "Wir singen nicht in Trauertönen". Flugs mündete die spürbare Freude darüber, wieder auftreten zu dürfen, in klingenden Taten. Lieder von Robert und Clara Schumann standen am Beginn des Solistenkonzerts in der Staatsoper, das den Titel "Ein Fest der Liebe" trug. "Atemberaubend" nannte die Sängerin eingangs ihren Gefühlszustand; atemberaubend konzentriert zeigte sich das Publikum an diesem Abend, an dem Damrau mit jedem Lied eine Geschichte erzählte. Flink streifte sie sich das jeweilige emotionale Kostüm über, von aufwühlend dramatisch ("Lorelei") über fröhlich aufgekratzt bis zu still enttäuscht. Im Zyklus "Frauenliebe und -leben" ließ sie den Schmerz der Verlassenen zwischen den letzten beiden Liedern sichtbar werden; Helmut Deutsch packte am Klavier all die erlebten Gefühle der Liebenden in das Nachspiel: eine Zusammenfassung voll wehmütiger Erinnerung.

Pianist und Sängerin bildeten am Dienstag eine Einheit, als sprächen sie mit einer Stimme. Der Sopran von Damrau, die tags zuvor ihren (unglaublichen) 50. Geburtstag gefeiert hat, klingt jugendfrisch wie eh und je. Vorbildlich die Diktion, wohldosiert die begleitende Bühnenaktion, die sie in den Vortrag mischte. Neckische Spitzentöne streute Damrau in den spanischen Teil: Die mit Flamencoschwung interpretierten Lieder aus der Feder von Joaquín Rodrigo, Enrique Granados und anderen erweitern ihr Repertoire animierend. Schließlich ausgewählte Kostbarkeiten von Richard Strauss als krönender Abschluss.