Die sichtbare Freude der Ausführenden über gelungene musikalische Ergebnisse zu erleben, ist eine Begleiterscheinung bei einem Konzertbesuch von unschätzbarem Wert. Christian Thielemann wirkte nach der Aufführung von Richard Strauss’ "Ein Heldenleben" am Sonntag ungemein glücklich und erschöpft. Seine mehrfach gezeigte Geste bedeutete wohl, man möge ihn zwicken, um ihn wieder in die Realität zu holen.

Die vorangegangene Interpretation verdient tatsächlich das Prädikat "traumhaft". Was Dramaturgie und Gestaltung betrifft, fand Thielemann die perfekte Mischung aus den Strategien Autonomie walten lassen und Energie ins System pumpen. Die Sächsische Staatskapelle Dresden wusste mit diesen Vorgaben blendend umzugehen. Die in Töne gegossene Psychologie, die Strauss so meisterhaft beherrschte, kam in allen Details über die Rampe. Aufwühlend wie selten gelang "Des Helden Walstatt". Souverän das Hornsolo, zu Herzen gehend und wohltuend zuckerfrei Konzertmeister Matthias Wollong in seinen Passagen. Die anerkennende Umarmung Thielemanns sprach Bände.

Begonnen hatte die Sonntagsmatinee im Musikverein mit dem kurzfristig aufs Programm gesetzten Klavierkonzert Edvard Griegs (am Tag davor erklangen Strauss-Lieder, gesungen von Erin Morley), bei dem der russische Pianist Denis Matsuev so gut wie alle Möglichkeiten der Kontrastdarstellung ausschöpfte: brausende Klangwogen, donnernde Klavierkaskaden, zarte Diskantgoldtöne. Fast schon zu viel an kraftvollen Extremen für dieses Paradebeispiel eines romantischen Klavierkonzerts.