Nach der Absagenflut von 2020 nun das Jahr der ver-rückten Termine: Seit Ende des Lockdowns heißt es, die Kultur-Feste so zu feiern, wie sie sich heuer nun einmal verschieben lassen. So zelebriert Salzburg seine Osterfestspiele diesmal im Herbst - und die Symphoniker gereichen Beethovens Neunte ausnahmsweise nicht als Neujahrsgabe, sondern ließen sie an diesem Sonntag im Garten vor dem Schloss Belvedere jubilieren.

Was aussah wie der kleine Bruder des Sommernachtskonzerts, feierte vor 500 Gästen und den Live-Kameras des ORF aber nicht nur das Frühlingserwachen des Kulturbetriebs. Der Abend leistete auch Abbitte bei Ludwig von Beethoven, dem verhinderten Großjubilars des Vorjahres (250. Geburtstag): Alle neun Symphonien des Wahl-Wieners gingen am Sonntag beim Kultursender Arte über den Äther, mit der Belvedere-Übertragung als krönendem Abschluss.

Siegesfreude mit Beczała

Zwar trübte es dieses TV-Finale etwas, dass sich einige Nebengeräusche ins Klangbild schlichen und die Kameras regelrecht einen Narren am Springbrunnen fraßen. US-Dirigentin Karina Canellakis leitete die Symphoniker gleichwohl rhythmisch prägnant und bescherte Beethovens Evergreen zumindest im (frappant pfiffigen) Trio einen persönlichen Anstrich. Umgossen vom Sonnenuntergang, entfaltete freilich auch das Finale seine Prachtwirkung, befördert vom routinierten Singverein und einem Solistenquartett mit Piotr Beczała als hörbar verzücktem Sprachrohr der Freude. Noch nachzusehen in der ORF-TVthek und bis Jahresende auf Arte Concert.