Igor Levit als Klavierpartner von Julia Hagen bedeutet ein in mehrfacher Hinsicht spannendes Konzerterlebnis: Einer der aktuell besten Pianisten schlüpft in die Rolle des Kammermusikers und spielt mit der österreichischen Cello-Überfliegerin. Das Förderprogramm "Great Talent" und der Kammermusik-Zyklus im Wiener Konzerthaus machten diese Begegnung am Donnerstag im Großen Saal möglich. Von Anfang an fiel die gute Abstimmung der beiden auf. Ein Blick über die Schulter von ihr, ein kurzes Kopfnicken von ihm. Das Band zwischen den Musizierenden ist stark. Die Energie fließt in beide Richtungen.

Bemerkenswertes Rüstzeug

Levit, der "Ältere" (Jahrgang 1987) in diesem Duo, agierte wunderbar unterstützend. Ab und an ließ er die Möglichkeiten seiner Klangpalette aufblitzen, behielt aber stets das Kräfteverhältnis gefühlvoll im Blick. Julia Hagen (Jahrgang 1995) wusste die Stärke des Pianisten als Sprungbrett und Sicherheitsnetz gleichermaßen zu nutzen. Die gestandene Kammermusikerin im roten Kleid (sie studierte bei Enrico Bronzi, Reinhard Latzko, Heinrich Schiff, Jens Peter Maintz, Wolfgang Emanuel Schmidt) spielt mit natürlichem Selbstverständnis, formt Phrasen und Verläufe hochmusikalisch, kommt ohne Umschweife zur Sache und scheut auch das Risiko nicht. Dieses bemerkenswerte Rüstzeug zeigte sich besonders bei Schostakowitschs Sonate op. 40 und bei Debussys ebenfalls in d-Moll stehender Sonate. Am Beginn Beethovens Sonate op. 5/1, wunderschön das "Minnelied" op. 71/5 von Johannes Brahms als Zugabe.