Wenn der Umweltschutzgedanke ins Bewusstsein zurückkehrt, ist das nicht nur ein gutes Omen für Panda, Robbe und Bruder Baum: Es bezeugt auch einen gewissen Brisanzverlust der Pandemie. Der Festspielstandort Grafenegg arbeitet jedenfalls emsig daran, sich einen Ökomantel umzubinden: Noch heuer will der Konzertreigen als zertifiziertes "Green Event" gelten und hat am Donnerstag darum seiner Sommernachtsgala das obligate Feuerwerk gestrichen. "Es versteht sich von selbst, dass es der Vergangenheit angehören muss", verlautet das Programmheft. Stattdessen als Augentrost geboten: eine "Lichtpartitur".

Nur leider, an die Schönheit dieser Wortschöpfung reichen die damit gemeinten Projektionen von Marcus Neustetter nicht heran: Schlichte Lichtstriche, auf die Spitze des Wolkenturms geworfen, ahmen fliegende Samen nach, später wuchern blumige Ornamente; gegen Ende wabert ein Eintopf aus New-Age-Farben und Ethno-Mustern an der Betonwand. Immerhin: Rund 20 Höhenmeter oberhalb der Bühne ausgetragen, stört dieses Spektakel den musikinteressierten Blick nicht.

Sopranistin Rachel Willis-Sørensen in Grafenegg. - © ORF / Jantzen
Sopranistin Rachel Willis-Sørensen in Grafenegg. - © ORF / Jantzen

Hernieden gereicht das Tonkünstler-Orchester mit Dirigent Yutaka Sado einen Melodienstrauß, der ebenfalls bunte Blüten treibt: Da wird Verdi an Wagner gebunden, Schumann an Gershwin und Strawinskis "Feuervogel" an Lehár. Keine organische Mischung, aber hier von Goldkehlen veredelt: Benjamin Bruns, ein regelrechter Verwandlungskünstler zwischen tenoraler Butter-Lyrik und stählerner Attacke, überzeugt nicht zuletzt mit Lehárs "Freunde, das Leben ist lebenswert!"; Sopranistin Rachel Willis-Sørensen bringt ihr nostalgisches Timbre mit delikaten Spitzentönen in Verdis "Tacea la notte placida" zur Gänsehautwirkung. Dazu noch der Kopfsatz des Schumann-Klavierkonzerts als Bravourfläche für Intendant Rudolf Buchbinder und letztlich eine Blumensamengabe für die Besucher: eine kunterbunte, aber ersprießliche Gala.